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Brennnessel – nicht ohne Grund seit Jahrtausenden eine alte Heilpflanze

Für viele sind Brennnesseln einfach nur Unkraut. In Wahrheit jedoch steckt viel Gesundes in dieser Pflanze, das wusste auch Hildegard von Bingen schon.

Brennnesseln sind essbar und enthalten viele Vitamine (wie Vitamin A). Sie besitzen einen hohen Eisen- und Kaliumgehalt sowie Linolsäure in den Samen. Daneben finden sich noch Kalzium, Carotin, Gerbstoffe, Fol-, Kiesel- und Caffeoyl-Äpfelsäure sowie Flavonoide. Ihr Vitamin-C-Gehalt liegt beispielsweise siebenmal höher als bei einer Orange. Allerdings relativiert sich das, da eine Orange relativ schwer ist und die gleiche Menge an Brennnesseln schon ein ganz ansehnlicher Haufen ist, den man nicht mal ebenso als kleine Zwischenmahlzeit verzehren kann. 

Brennnesseln lassen sich vielseitig einsetzen. Alle Teile dieser Pflanze sind essbar: von den Blättern über die Blüten und Samen bis hin zur Wurzel. Die Samenkapseln enthalten zusätzlich verschiedene Eiweiße und ungesättigte Fettsäuren. Wobei die bekannteste Zubereitungsform wohl der Brennnesseltee ist, den es auch bereits fertig zu kaufen gibt. Dann besteht er aus Brennnesselblättern, die auch selbstgemacht die häufigste Verwendungsart sind. Man kann ihn jedoch auch aus der Brennnesselwurzel zubereiten.

Man kann ihn jedoch auch selbst aus frischen oder getrockneten Blättern zubereiten – Handschuhe nicht vergessen! Über den Geschmack von Brennnesseln scheiden sich die Geister. Die Einen finden ihn lecker und leicht nussig, für Andere ist er eher ist etwas gewöhnungsbedürftig. Wer zur letzteren Gruppe gehört und diesen nicht mag, kann sich mit einigen Spritzern Zitrone oder Limette behelfen, die den meist als bitter empfundenen Nachgeschmack der Brennnessel deutlich abmildern. Auch etwas Honig macht den Brennnesseltee angenehmer im Geschmack.

Rezepte für Brennnesseltee

  • 1 gehäuften Esslöffel getrockneter und zerkleinerter Brennnesselblätter mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen und etwa 10 Minuten lang ziehen lassen. Die Blätter entfernen und den fertigen Tee nach Bedarf süßen oder mit frisch gepresstem Zitronensaft anreichern.
       
  • Einige frische Brennnesselblätter in eine Tasse geben und mit kochendem Wasser überbrühen und ebenfalls mindestens 10 Minuten ziehen lassen. Der Tee kann sowohl kalt, wie auch heiß am besten schluckweise getrunken werden.

Verwendung der Brennnesselsamen

1 - 2 Esslöffel Brennnesselsamen pro Tag gelten als ein besonders natürliches und wertvolles Nahrungsergänzungsmittel, das vor allem durch seine ganzheitliche Wirksamkeit punktet. Diese lassen sich getrocknet ganz einfach zusammen mit dem Müsli, über dem Salat oder der Suppe zusammen genießen und damit einfach in den täglichen Speiseplan einbauen. Wer mag kann sie aber natürlich auch in Joghurt oder Quark einrühren.

Gesundheitsfördernde Wirkungen:

Hier einige Beispiele dafür, welche Wirkungen der Brennnessel zugeschrieben werden:

  • Entgiftung und Entschlackung des Körpers zur Unterstützung von Frühjahrskuren und Diäten
  • Verbesserung des Hautbildes (auch bei Pickeln, Ekzemen und Akne)
  • Linderung bei Arthrose und Arthritis
  • Stärkung des Immunsystems
  • empfohlen bei Erschöpfungszuständen und Müdigkeit
  • Hilfe bei Haarausfall und vermindertem Haarwuchs (Brennnesselsamen)
  • blutdrucksenkend
  • blutbildend
  • blutreinigend
  • ausgleichende Wirkung auf den Blutzuckerspiegel
  • unterstützende Wirkung bei Diabetes
  • harntreibend
  • schleimlösend
  • positive Wirkung bei Nieren- und Blasenproblemen (inkl. vorbeugender Wirkung auf die Ausbildung von Blasen- und Nierensteinen)
  • anregende Wirkung auf Leber-, Gallen- und Bauchspeicheldrüsefunktion
  • unterstützende Therapie bei chronisch entzündlichen Magen- und Darmproblemen (wie z.B. Colitis ulcerosa und Morbus Crohn)
  • Linderung von Magenbeschwerden und bei Durchfall (durch die Gerbstoffe)
  • Linderung bei Menstruationsbeschwerden und Prostatabeschwerden
  • Steigerung der Potenz, Libido und Zeugungsfähigkeit Männern und der Milchproduktion stillender Mütter (Brennnesselsamen)

Warnhinweise:

  • Entschlackende Trinkkuren mit täglichem Brennnesseltee (maximal 2 Tassen mit insgesamt 250 ml) sollten nicht über längere Zeit durchgeführt werden. Die Angaben reichen dabei von 3 Wochen, einem Monat oder maximal 2 Monate. Als guter Mittelwert und am häufigsten zu finden ist ein Monat. Dabei sollte auf  ausreichende zusätzliche Flüssigkeitszufuhr (mindestens 3 Liter – OHNE den Kräutertee) geachtet werden, da ansonsten die Gefahr bestehen kann, dass der Körper austrocknet.
  • Bei eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion, sollte auf Brennnesseln verzichtet werden. werden.
  • Brennnesseltee kann unter Umständen zu Schlafstörungen oder sogar zu Depressionen führen.
  • Während der Schwangerschaft sollte der Körper nicht entschlackt werden und auch ausreichender Schlaf ist hier wichtig. Stimmungsschwankungen treten hier durch die Hormonumstellung sowie gerne auf, weshalb all dies gegen Brennnesseltee während dieser Zeit spricht.

Brennnesseln machen Küchen-Karriere

Neben Getränken lassen sich aber auch viele Speisen aus der Brennnessel zubereiten. Die inzwischen sogar in der Sterneküche eingesetzt wird! Hier einige Beispiele:

  • Brennnesselauflauf
  • Brennnesselfüllung für Semmelknödel, Maultauschen, Tortellini & Co.
  • Brot/Brötchen mit getrockneten oder frischen Brennnesselstückchen
  • Brennnesselkräuterbutter
  • Brennnesselkuchen
  • Brennnesselnockerl
  • Brennnesselpesto
  • Brennnesselrisotto
  • Brennnesselspätzle
  • Brennnesselspinat
  • Brennnesselsuppe
  • Brennnesseltarte
  • Brennnesseltee
  • gebratene Brennnesseln
  • grüne Smoothies

Brennnesseln ernten und verarbeiten

Die auf  den Blättern sitzenden Brennhaare brechen bei Berührung sofort ab und setzen einen Cocktail aus Ameisensäure und Enzymen frei, die je nach Empfindlichkeit entweder ein Kribbeln bis Brennen auf der Haut verursachen, jedoch auch richtige rote Quaddeln und damit eine allergische Reaktion verursachen können.

Deshalb sollten bei der Ernte und Verarbeitung stets Garten- oder Küchenhandschuhe getragen werden.
Werden die Blätter jedoch getrocknet, zu Saft oder Brei weiterverarbeitet bzw. gekocht, verschwindet das Brennen.

Die meisten gesunden Inhaltsstoffe stecken dabei in frischen, jungen Austrieben im Frühjahr.

Wer Brennnesseln in freier Natur sammelt, sollte darauf achten, dass der Standort nicht zu nah an stark befahrenen Straßen oder nahe gedüngter Äcker liegt. Auch Wegesränder, die mit Hundekot verschmutzt sind, sollten natürlich gemieden werden.

Die hellbraunen Samenkapseln sollte man kurz vor dem Ausfallen abernten. Sie lassen sich frisch oder gut getrocknet verwenden. Zur Aufbewahrung der getrockneten Samen eignen sich gut Papiertüten, die man am besten an einem dunklen, trockenen und eher kühlen Ort aufbewahrt. Diese sind ebenso wie die getrockneten Blätter wirklich sehr lange haltbar (auch locker bis zum nächsten Frühjahr).

Brennnesseln im Garten

Wer eine Ecke im Garten frei hat, der kann nicht nur sich selbst etwas Gutes tun mit Brennnesseln, sondern auch unseren einheimischen Schmetterlingen. Rund 25 Schmetterlingsarten bevorzugen Brennnesseln als perfekte Kinderstube zum Aufwachsen der Raupen. Wobei die meisten davon notfalls noch auf andere Pflanzen zur Eiablage ausweichen können. Nicht so jedoch so wunderschöne Falter wie der „Kleine Fuchs“, das „Tagpfauenauge“, der „Admiral“ und das „Landkärtchen“. Diese brauchen zwingend Brennnesseln als Futterpflanze für ihre Raupen, da ihre Nachkommen keine andere Nahrung nutzen können. Wer also nicht möchte, dass diese schönen Gaukler der Lüfte aussterben, kann ihnen ganz einfach helfen, indem er den Brennnesseln etwas Raum zum Wachsen lässt – an einer sonnigen Stelle im Garten. Brennnesseln gedeihen gut an Weges- und Gehölz- oder Beeträndern. Wer noch einen hübschen Sommerflieder in die Nähe pflanzt, der eine bevorzugte Nahrungsquelle der ausgewachsenen Schmetterlinge ist, kann sich sicher sein, dass sich die eigene grüne Oase in ganz kurzer Zeit in ein Schmetterlingsparadies verwandelt.

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Tagpfauenauge / Foto Morguefile.com

Brennnesseln als natürlicher Dünger

In einer möglichst weit vom Sitzplatz entfernten Gartenecke kann man auch ein Fässchen aus Kunststoff oder Holz (keine Metallbehälter) aufstellen und seinen eigenen Brennnesseldünger ansetzen. Allerdings sollte das Gefäß einen Deckel (notfalls ein Brett) besitzen, denn das Ganze stinkt ziemlich, wenn man es 3 Wochen in der Sonne gären lässt. Dazu braucht man allerdings eine ganze Menge Brennnesseln, da das Gefäß bis oben hin gut gefüllt und dann am besten mit Brunnen- oder Regenwasser aufgefüllt wird. Leitungswasser ist nicht gut für die Pflanzen, da es zuviel Kalk enthält. Um die Balkon- oder Gartenpflanzen herum verwendet, stärkt die Brennnesseljauche diese. Auf den Pflanzen verteilter Brennnesselsud vertreibt Ungeziefer. Bei Zimmerpflanzen ist die Verwendung schon etwas heikler, denn empfindliche Nasen können dies durchaus als unangenehm empfinden. Möglich ist es natürlich trotzdem.
Detaillierte Infos zur Herstellung eines Brennnesselsuds (gegen Blattläuse) und zum Ablauf des Gärungsprozesses der Brennnesseljauche bzw. deren richtiger Verdünnungsverhältnisse.

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