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Nationales Referenzzentrum für die Echtheit und Integrität der Lebensmittelkette – wir sind gespannt

Unter dem Dach des Max-Rubner-Instituts in Kulmbach soll künftig ein nationales Referenzzentrum über die korrekten Angaben auf unseren Lebensmitteln wachen und diese kontrollieren.

Das hat der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt jetzt beschlossen. Damit soll sichergestellt werden, dass beispielsweise auch Bio-Qualität drin ist, wenn bio draufsteht oder eine Scholle nicht fälschlicherweise als Seezunge ausgegeben wird.
Zur Pressemitteilung Nr. 36 des BMEL (Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft) vom 11.05.2017.

Wann das neue Nationale Referenzzentrum für die Echtheit und Integrität der Lebensmittelkette (NRZ-EIL) seine Arbeit aufnehmen wird, ist bislang noch nicht bekannt.

Ziel

Dabei sollen die in Deutschland vorhandenen Untersuchungsmethoden und Untersuchungsergebnisse zur Echtheit und Integrität der Lebensmittelkette weiterentwickelt, zusammengetragen, gebündelt und ausgewertet werden. Das Nationale Referenzzentrum wird als nationale Kontaktstelle eng mit dem geplanten europäischen Referenzzentrum zusammenarbeiten.
Mehr Infos zu einigen Untersuchungsmethoden finden sich auf der Seite des MRI (Max-Raubner-Instituts).

Wie das ebenfalls geplante europäische Referenzzentrum – als übergeordnete Instanz - künftig die Voraussetzungen für eine korrekte Angabe des Herkunftslandes eines Produktes definieren wird, bleibt abzuwarten. Sollte sich hier nichts ändern, bliebe von den Versprechungen („Aufklärung betrügerischer Machenschaften und mit allen verfügbaren Methoden und Vorgehensweisen dazu beizutragen, dass die Verbraucher weiterhin auf die Echtheit und Integrität der Lebensmittel vertrauen können“) nicht so sehr viel übrig.
Siehe hierzu auch unseren Artikel „Hergestellt in Deutschland - was das auch bedeuten kann“.

Fazit

Die Lebensmittelkette grenzüberschreitend genauer zu durchleuchten und mit modernsten Methoden zu überwachen, ist sicherlich eine gute Idee. Ob die EU-Vorschriften wirklich verbraucherfreundlicher und weniger irreführend als bisher werden, beobachten sicherlich nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Wettbewerbszentrale und die Gerichte genau. Bleibt zu hoffen, dass sich an der bisherigen „Ernte“-Vorschrift endlich etwas ändert (Art. 23 Abs. 1, 2b Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 „Zollkodex“ – siehe hierzu auch den eRecht24-Beitrag).

Zumindest hätte nicht nur das neue nationale, sondern vor allem auch die neue europäische Institution damit eine gute Möglichkeit, verlorengegangenes Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen und der Europa-Müdigkeit, die nicht zuletzt auch auf einigen, nicht nachvollziehbaren Schaffung bzw. Tolerierung von Schlupflöchern in der Gesetzgebung beruht, entgegenzuwirken. Viel Erfolg!

Noch ein hübsches Beispiel dafür ist die so genannte „Bananenverordnung“ der EU. Laut der Verordnung (EG) Nr. 2257/94 müssen Bananen, die in die EU eingeführt werden, sowie innerhalb der EU produzierte Bananen eine Länge von mindestens 14 cm und eine Dicke von mindestens 27 mm besitzen. Sie müssen außerdem unbeschädigt sein (intakte Schale, keine Druckstellen, kein Schimmel, kein abgeknickter Stiel etc.), dürfen nicht gereift sein (grüne Farbe der Schale) und müssen frei von Missbildungen oder unnormalem Wuchs sein.

Wer schon einmal das Vergnügen hatte, eine am Baum gereifte Banane zu essen, weiß erst, wie diese wirklich schmecken. Natürlich reifen Bananen auch nach der Ernte nach, aber das ist nicht das Gleiche! Ich glaube, den wenigsten Verbrauchern dürfte es wichtig sein, dass etwas genormt und damit gut verpackt werden, platzsparend transportiert und möglichst lange im Regal liegen kann. Natürlich gewachsene und gereifte und damit auch keiner Normgröße entsprechende Nahrungsmittel, die schmecken und möglichst gesund sind, dürfte hier der wohl der bessere Ansatzpunkt sein, bei dem wir uns dann auch wirklich verstanden und ernst genommen fühlen.

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