Quelle: Foto FoodiesFeed, Jakub Kapusnak

Lebensmittelunverträglichkeiten nehmen weiter zu

Die gute Nachricht: Nicht alles, was wir umgangssprachlich als Allergie bezeichnen, ist tatsächlich eine Lebensmittelallergie.

Unterschied zwischen Unverträglichkeit und Allergie

In den meisten Fällen handelt es sich um eine Lebensmittelunverträglichkeit / Nahrungsmittelintoleranz. Diese hat ihre Ursache in einem fehlenden oder nicht funktionierenden körpereigenen Enzym oder einem gestörten Transportmechanismus des Darms.

Eine Lebensmittelallergie hingegen ist eine durch einen bestimmten Stoff in der Nahrung ausgelöste Überreaktion des körpereigenen Immunsystems, die unter Umständen sogar lebensbedrohliche Züge annehmen kann. Obwohl diese Stoffe für einen gesunden Menschen harmlos sind. Grundsätzlich können fast alle Nahrungsmittel Allergien verursachen, allerdings treten diese nur bei einigen Produktgruppen häufiger auf. Dazu gehören Nüsse, einige Obst- und Gemüsesorten, Sojaprodukte, Getreide und Gewürze sowie bei Kuhmilch, Hühnereier, Fisch und Meeresfrüchte.

Symptome

Vom Beschwerdebild aus betrachtet, betreffen Nahrungsmittelunverträglichkeiten naturgemäß am häufigsten den Magen-Darm-Bereich, wobei auch die Haut sowie die Atemwege und der Mund-/Rachenraum betroffen sein können. Ablagerungen von überschüssigen Inhaltsstoffen, die nicht ausreichend wieder abtransportiert, verarbeitet oder ausgeschieden werden können, verursachen aber nicht nur Magen- oder Darmschleimhautentzündungen, sondern können auch die Ursache für Gelenkentzündungen sein. Weshalb infolge von Vorschädigungen des Magen-Darm-Trakts durch eine erste Unverträglichkeit auch im Laufe der Zeit weitere, zusätzliche  Lebensmittelunverträglichkeiten auftreten können. Auch scheint das Risiko eine Allergie zu entwickeln höher, wenn bereits Unverträglichkeiten vorhanden sind. Wobei auch Vererbung bei einigen Nahrungsmittelunverträglichkeiten durchaus eine Rolle spielen kann.

Diagnose und Ernährungsumstellung

Da die Symptome einer Unverträglichkeit / Intoleranz oder Allergie denen eines Reizdarmsyndroms ähneln, ist eine eindeutige ärztliche Diagnose notwendig. Für Allergietests stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung, so zum Beispiel:

  • Hauttests (z.B. Pricktest, Reibtest, Intrakutantest)
  • H2-Atemtest oder Laktosetoleranztest (Blutzuckertest)
  • labortechnische Blutuntersuchungen (z.B. allergenspezifischer IgE-Antikörpern-Nachweis)
  • Methylhistamin-Bestimmung

Ein detailliertes Ernährungstagebuch, in welchem auch die auftretenden Beschwerden entsprechend notiert werden, hilft bei der Eingrenzung der möglichen Verdächtigen.

Ist die Ursache der Beschwerden ausgemacht, ist das beste Mittel eine konsequente Vermeidung dieser Inhaltsstoffe bzw. Nahrungsmittel. Spezielle Ernährungsberater können zudem helfen, einen persönlichen Ernährungsplan zu erstellen. Dieser kann eine mehrtägige Basisdiät beinhalten, der anschließend eine Provokationsdiät folgt, bei der einzelne unverträgliche Nahrungsmittel absichtlich verzehrt werden, um zu testen, ob diese vertragen werden oder nicht. Im Unterschied dazu werden bei einer Rotationsdiät verschiedene in Verdacht stehende Nahrungsmittel in einer vorher festgelegten Reihenfolge gegessen.

Kreuzallergien

Nahrungsmittelallergien treten dabei nicht selten als Kreuzallergie auf. So verursachen etliche Baum-, Gräser- oder Getreidepollen, die über die Atemwege aufgenommen werden, eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie, weil die Pollenallergene den Nahrungsmittelallergenen recht ähnlich sind.

Bei der wohl bekanntesten Allergie, dem so genannten „Heuschnupfen“ reagieren die Betroffenen häufig allergisch auf Birkenpollen, wobei hier auch überdurchschnittlich viele Fälle von möglichen Kreuzreaktionen mit Kern- und Steinobst (z.B. Äpfeln, Pfirsichen, Kirschen) und auch Kiwi’s, Feigen, Sellerie, Soja, Karotten und Nüssen beobachtet wurden.

Häufige Lebensmittelunverträglichkeiten

Fructoseintoleranz / Fructosemalabsorption / Fruktoseunverträglichkeit

Die (intestinale) Fructoseintoleranz ist eine erworbene Krankheit, bei der man davon ausgeht, dass sie auf ein eingeschränktes oder defektes Transportsystem im Dünndarm zurückzuführen ist. Wodurch die Fructose nicht ausreichend in den Körper aufgenommen werden kann. Der Abbau der zu kleinen Menge ist jedoch unproblematisch. Sie äußert sich meist in Form von Bauchkrämpfen, Blähungen, Durchfall und Übelkeit.
Eine nur sehr selten vorkommende Form ist die hereditäre Fructoseintoleranz. Sie ist erblich, wobei ein angeborener Mangel des Enzyms Fruktose-1-Phosphat-Aldolase vorliegt. Dabei wird die Fructose zwar problemlos über den Darm aufgenommen, kann aber in der Leber nicht richtig abgebaut werden. Hilfreiche Ernährungstipps bei Fructoseintoleranz sowie Medikamente für unterwegs. Siehe hierzu auch unseren Beitrag "Fructoseintoleranz – Der Guide für Anfänger".

Glutenintoleranz / Zöliakie

Gluten ist die Bezeichnung für verschiedene Klebereiweiße (Proteine), die in Getreide (z.B. Weizen, Dinkel, Gerste, Roggen und Weizen) vorkommen. Wodurch diese Intoleranz gegenüber dem Klebereiweiß genau entsteht, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Jedoch scheinen neben einer genetischen Veranlagung, auch äußere Umwelteinflüsse eine Rolle zu spielen. So tritt eine Glutenintoleranz häufiger bei Personen auf, in deren Familie diese Symptomatik bereits bekannt ist. Durch die Schädigung der Darmschleimhaut durch das Klebereiweiß kommt es zu einer Störung der Nährstoffaufnahme im Darm, die sich in Entzündungen und Mangelerscheinungen äußert. Um dies zu verhindern, hilft nur eine glutenfreie Ernährung. Zur Übersicht mit glutenhaltigen bzw. glutenfreien Nahrungsmitteln nebst Herstellerliste für glutenfreie Produkte.

Histaminintoleranz

Im Falle einer Histaminintoleranz verursacht eine zu hohe Menge an Histamin im Körper die gesundheitlichen Probleme.
Histamin ist es ein biogenes Amin und kommt in Bakterien, in Pflanzen sowie im tierischen und damit auch im menschlichen Organismus vor. Dabei spielt es im Körper eine wichtige Rolle bei der Abwehr körperfremder Stoffe. Der Grundbaustein - das Histidin - wird durch Bakterien oder Hefe in der Nahrung zu Histamin umgewandelt. Im Körper wird Histamin durch Enzyme im Dünndarm (Diaminoxidase) oder N-Methyl-Transferase (beispielsweise in der Leber) abgebaut. Bei einem Mangel oder einer eingeschränkten Funktionsweise eines dieser oder beider Enzyme verbleibt zuviel Histamin im Körper.

Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz, also einer Milchunverträglichkeit, wird der in der Milch enthaltene Zucker (Laktose) nicht vertragen, da den Betroffenen das zur Aufspaltung nötige Enzym (Laktase) fehlt.
Im Unterschied dazu sind bei einer deutlich selteneren Milchallergie die in der Milch enthaltenen Eiweiße (wie z.B. Kasein) der Auslöser einer allergischen Reaktion.
Um die Beschwerden einer Laktoseintoleranz zu vermeiden, ist eine Umstellung auf laktosefreie Milchprodukte die beste Wahl. Wer unterwegs oder im Urlaub dazu keine Möglichkeit hat, kann in diesen Fällen auf Laktase-Tabletten zurückgreifen und damit das benötigte Enzym zuführen.

Saccharoseintoleranz / Saccharase-Isomaltase-Mangel / Saccharose-Isomaltose-Malabsorption

Hierbei wird normaler Haushaltszucker (Saccharose) schlecht bis gar nicht vertragen. Als Ursache gilt hier ein zwar vorhandenes, aber inaktives Enzym im Dünndarm, weshalb Saccharose (Haushaltszucker) und Maltose (Malzzucker) nicht aufgenommen werden können und so in den Dickdarm gelangen. Das verursacht Bauchkrämpfe, Erbrechen, Durchfall und Unwohlsein. Diese Unverträglichkeit kann auch als Folge einer Schädigung der Darmschleimhaut, nach einer Darmentzündung oder bei einer vorhandenen Zöliakie auftreten.

Sorbitintoleranz / Sorbitunverträglichkeit

Im Falle einer Sorbitunverträglichkeit scheint Sorbit ebenfalls nicht ausreichend aus dem Darm transportiert zu werden. Ähnlich wie bei der Fructoseintoleranz, weshalb beide öfter in Kombination auftreten. Sorbit ist ein Zuckeraustauschstoff (Zusatzstoff E420 bzw. die Kombinationen aus Sorbit mit Fettsäuren: E432, E433, E434, E435 und E436) , der natürlicherweise in Trockenfrüchten vorkommt, meist jedoch in Form eines industriell gefertigten Süßungs- oder Feuchthaltemittel in modernen Lebensmitteln, wie Diabetikerprodukten, kalorienreduzierten bzw. zuckerfreien Kaugummis und Bonbons vorkommt. Aber auch Wein und Bier enthalten Sorbit, ebenso wie einige frische Obst- und Gemüsesorten.

Weizenintoleranz / Weizenunverträglichkeit

Bei der Weizenunverträglichkeit treten ebenfalls Beschwerden im Magen-/Darmbereich sowie Hautreizungen und Blähungen sowie teilweise auch Gelenkbeschwerden auf. Im Gegensatz zur Glutenunverträglichkeit beschränkt sich diese jedoch rein auf Weizen. Andere glutenhaltige Getreidesorten - wie beispielweise Dinkel oder Roggen - werden hingegen gut vertragen. Dies könnte daran liegen, dass gerade Weizen schon extrem lange gezüchtet und damit auch verändert wird, was bei anderen Getreidesorten in weit geringerem Maß vorkommt. Als mögliche Auslöser kommen die Proteingruppe der Amylase-Trypsin-Inhibitoren (durch Züchtung vermehrt vorhandene natürliche Bestandteile des Weizens, die Schädlinge vom Fressen abhalten) oder auch verschiedene im Weizen enthaltene Zucker (so genannte Fodmaps) in Frage. Auch hat Weizen bzw. seine Bestandteile mittlerweile eine enorm hohe Verbreitung in unserer modernen Ernährung, sodass auch die reine Menge einen Einfluss haben kann. Andere Theorien gehen von einer genetischen Veranlagung aus, da sich unsere Blutgruppen erst im Laufe der Evolution nacheinander entwickelt haben, angepasst an die zu dieser Zeit vorherrschenden Nahrungsquellen. Weshalb die Blutgruppe Null Weizen oftmals schlechter verträgt, da dieser damals einfach noch keine Rolle in der Ernährung gespielt hat. Das würde auch erklären, warum bei verwandten Personen (mit gleicher Blutgruppe) eine solche Unverträglichkeit häufiger auftritt.
Bei einer sehr viel seltener vorkommenden Weizenallergie stehen die Weizeneiweiße im Verdacht, eine allergische Reaktion auszulösen. Es gibt aber auch noch einige andere Getreidesorten, die diese Eiweiße enthalten. Weizen-Alternativen und mehr Informationen hierzu sowie zum so genannten Bäckerasthma.

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