Quelle: Foto Morguefile.com

Veganer Saft und Wein – braucht man diese Kennzeichnung?

Generell sind Obst- und Gemüsesäfte sowie Wein von Natur aus vegan. Industriell verarbeitet jedoch nicht mehr unbedingt.

Die Entscheidung einer wachsenden Zahl von Verbrauchern, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, beruht in der Regel auf unterschiedlichen Beweggründen.

Dies kann zum Einen sein, dass sich diese Personengruppe entweder bewusst gesünder und natürlicher ernähren will, aber auch der Tierschutzgedanke spielt hier oftmals eine nicht unwichtige Rolle.

Deshalb ist es keine reine Marketingmethode, wenn verschiedene Hersteller beispielsweise ihre Cola, Bier oder Wein als vegan bezeichnen. Sondern vielmehr für Veganer die einzige Möglichkeit, bevorzugte Getränke in der gewünschten  Zusammensetzung zu erhalten.

Was nicht Jedermann bekannt ist, ist die Tatsache, dass es auch bei den auf den ersten Blick veganen Getränken durchaus eine Reihe von Ursachen geben kann, warum diese dann doch tierische Inhaltsstoffe enthalten und sei es nur in der Verpackung. Auch wenn sich die Zutatenliste der vorgenannten, beispielhaften Produkte erst einmal vegan liest.

Beispiele nicht immer veganer Getränke:

  • Cocktails
  • Energy Drinks
  • Erfrischungsgetränke
  • Gemüsesäfte
  • Mixgetränke
  • Obstsäfte
  • Saftschorlen
  • Sekt
  • Wein
  • Weinessig
  • Weinbrand

Ursachen für nicht vegane Getränke:

Zutatenkleinstmengen / Filtration

Zutaten-Kleinstmengen sind nicht deklarierungspflichtig.
Außerdem werden tierische Produkte wie Gelatine oder Fischblase zur Filtration oder zur Klärung von Säften und Wein eingesetzt.
Manchmal dient Gelatine auch als Trägerstoff, z.B. für zugesetztes Carotin oder Vitamine.

So wird dann beispielsweise aus einem naturtrüben Apfelsaft ein klarer Apfelsaft.
Sind die Trübstoffe im Wein oder Saft gebunden, werden Fischblase oder Gelatine vor der Abfüllung wieder aus dem Produkt entfernt, weshalb sie auf dem Etikett natürlich auch aus rechtlicher Sicht nicht als Zutat angegeben werden müssen.

Was das Filtern von Säften angeht, gibt es natürlich auch Verfahren, wie die so genannte Ultrafiltration, bei der keine tierischen Stoffe zum Einsatz kommen. Allerdings ist die Filtermethode für den Verbraucher auf dem Produkt nicht zu erkennen.

Der Grundstoff für Branntweinessig ist Branntwein oder Industriealkohol und kein normaler (gefilterter) Wein. Grundlage für den Industriealkohol sind meist Kartoffeln oder andere stärkehaltige Rohstoffe. Der Branntwein wird anschließend durch Fermentation zu Essigsäure umgewandelt. Dadurch können im fertigen Branntweinessig bis zu 0,5% Alkohol im Essig enthalten sein. Insofern wird Branntweinessig praktisch nie mit Gelatine geklärt und ist daher fast immer vegan.

Hier hilft im Zweifelsfalle nur die Nachfrage beim Hersteller, was allerdings einen erheblichen Aufwand bedeutet, wenn man eigentlich ja nur ein veganes Getränk zu sich nehmen oder etwas würzen will.

Denn die Fragestellung muss dann schon recht ausgefeilt sein, um auch wirklich alle möglichen Ursachen für tierische Inhaltsstoffe im Endprodukt zu umfassen.

Und auch die Angaben einiger großer Getränkehersteller, wie Albi oder Eckes-Granini äußern sich dazu nicht wirklich eindeutig. "Hauptsächlich" lässt keinen Rückschluss auf die einzelnen Produkte zu und trübe Säfte werden in der Regel sowieso nicht mit Gelatine gefiltert, da dieses Verfahren ja meist der Klärung des Saftes dient.

Siehe hierzu auch den NDR-Beitrag "Stecken tierische Reststoffe im Apfelsaft".

Bei Eckes-Granini haben wir zumindest für die Hohes-C-Produktfamilie noch folgende Information gefunden:

„Alle Säfte von hohes C bestehen aus 100% Fruchtsaft und werden naturbelassen ohne Zusatz von Zucker* oder anderen Süßungsmitteln, Farb- und Konservierungsstoffen sowie frei von Gelatine und anderen Inhaltsstoffen tierischen Ursprungs hergestellt.“

Eine Angabe zu den Produktionsbedingungen oder das Wort „vegan“ fehlen allerdings auch hier.

Bei den Albi-Säften konnten wir bislang garkeinen weiterführenden Hinweis auf der Herstellerseite finden.

Stand: August 2016

Produktionsbedingungen

Glaubt man dem ebenfalls am Ende der NDR-Seite zu findenden Kommentar eines Lesers, so werden teilweise auch die Pressen für Obst- und Gemüsesäfte mit Gelatine "geschmiert". Andere Quellen sprechen von Gelatine als Bandschmiermittel (Transportbänder von Obst oder Gemüse) bei der Getränkeproduktion.

Da es sich dabei um das Produktionsverfahren und nicht um Zutaten handelt und die gegebenenfalls vorhandene Restmenge im Erzeugnis außerdem sehr gering sein dürfte, ist auch dieses laut Lebensmittelverordnung nicht deklarierungspflichtig.

Coca-Cola gibt beispielsweise folgende Auskunft:

"Den Produkten der Coca-Cola Organisation in Deutschland werden nur Zutaten nicht-tierischen Ursprungs hinzugefügt.
Für unsere Erfrischungsgetränke, wie zum Beispiel Fanta, NESTEA oder Lift Apfel-Schorle, wird keine Gelatine verwendet. 
Ausnahmen sind Kinley Bitter Lemon, Fruitopia Multifrucht, Fanta Klassik (enthält ein Molkenerzeugnis) und die CHAQWA Kaffeespezialitäten mit Milch."

Über das Produktionsverfahren sagt diese Kundeninformation jedoch ebenfalls nichts aus.
Bei Fanta wurde die Fischgelatine als Träger für den Farbstoff inzwischen durch Stärke ersetzt.
Die Tierversuche soll das Unternehmen jedoch bereits seit ungefähr 2007 eingestellt haben.

Weiterführende Aussagen zur Durchführung eigener oder Unterstützung fremder Tierversuche oder zu den eingesetzten Verpackungsmaterialien (Stichwort: Kasein im Etikettenkleber) lassen sich hingegen schwerer oder manchmal auch gar nicht finden. Inwieweit es einem ausreicht, ob nur das Produkt selbst vegan sein sollte oder dies auch die komplette Herstellungskette betreffen soll, muss jeder für sich entscheiden. Im Zweifel hilft nur eine sehr detaillierte Fragestellung an den Hersteller direkt.
Eine Orientierung bezüglich veganer Getränke gibt es aber beispielsweise auch bei PETA ZWEI.

Weiterführende Seiten:

Zur Übersicht mit veganen Getränken.

Unser Beitrag: "Veganer Wein aus dem Supermarkt" - inkl. einer Liste mit veganen Supermarkt-Weinen.

Kommentar verfassen

Anhänge

0
  • Keine Kommentare gefunden

Verwandte Beiträge