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Alternative Ernährungsformen

Bei der Entscheidung für eine bestimmte Ernährungsweise spielen nicht nur gesundheitliche, sondern oft auch die eigene Weltanschauung, sprich der Respekt vor pflanzlichem und tierischen Leben eine entscheidende Rolle.

Daneben gibt es aber auch noch gesellschaftspolitische Beweggründe, den eigenen Nahrungsmittelkonsum umzustellen. Je nach dem wie ausgeprägt diese sind, gibt es diverse unterschiedliche Arten der Ernährung, die wir im Anschluss einmal näher beleuchten wollen.

Veganer

beschränken sich auf eine rein pflanzliche Ernährungsweise und verzichten auf Fleisch, Gelatine, Eier, Milch- und Milchprodukte, Honig, Fisch und Meeresfrüchte.

Gestrichen ist jegliche Nahrung, die tierischen Ursprungs ist oder derartige Bestandteile enthält, das gilt auch für Aroma- und Zusatzstoffe, die beispielsweise aus Molke hergestellt werden. Weshalb es inzwischen auch vegane Weine im Handel gibt, da traditionell produzierter Wein mittels tierischen Bestandteilen, wie beispielsweise Eiweiß, Gelatine, Fischblasen oder auch Kasein geklärt wird. Diese binden unerwünschte Trübstoffe wie Schalenbestandteile oder Gerbstoffe und werden zusammen mit diesen abfiltriert, bevor der Wein in den Handel kommt.

Konsequenterweise hat Veganismus aber auch Auswirkungen auf andere Bereiche des Lebens, wie den Verzicht auf Bekleidung und Schuhwerk aus Leder, Seide oder Wolle und auch auf Federn in der Bettdecke oder der Daunenjacke.

Vegetarier

unterscheiden sich in drei verschiedene Gruppen.

  • Ovo-Lacto-Vegetarier – umgangssprachlich meist auch einfach als Vegetarier bezeichnet
    Die Mehrheit der Vegetarier ernährt sich weitgehend aus pflanzlicher Kost und verzichtet auf Fleisch, Gelatine, Fisch und Meeresfrüchte, da diese von toten Tieren stammen. Hingegen kommen Eier, Milch, Käse und andere Milchprodukte sowie Honig im Speiseplan vor, da diese von lebenden Tieren stammen. Weshalb auch Zusatzstoffe, die aus Glucose, Fructose oder beispielsweise Milchbestandteilen hergestellt werden, durchaus von dieser Personengruppe akzeptiert werden – natürlich immer vorausgesetzt, es besteht keine Unverträglichkeit oder Allergie dagegen.
  • Lacto-Vegetarier streichen zusätzlich Eier von ihrem Speiseplan.
  • Ovo-Vegetarier hingegen essen Eier, dafür aber keine Milchprodukte.

Frutarier, Fructarier oder Fruganer

gehen noch einen Schritt weiter wie Veganer. Sie nehmen nicht nur Rücksicht auf Tiere und verzichten deshalb auf Fleisch, Gelatine, Eier, Milch- und Milchprodukte, Honig, Fisch und Meeresfrüchte, sondern wollen durch ihre Ernährung auch keine Pflanzen schädigen. Unter diesem Gesichtspunkt beschränkt sich die Auswahl an Lebensmitteln großteils auf Nüsse, Samen und Obst, wobei es sich bei letzterem – je nach Ausprägung dieser Ernährungs- und Sichtweise – auch nur um Fallobst handeln kann. Ähnlich verhält es sich mit Honig. Manche Frutarier essen ihn, da es ähnlich wie bei freiwillig und natürlicherweise produzierten Samen und Nüssen auch hier nicht um ein unfreiwillig pflanzen- oder in diesem Fall tierschädigendes Produkt handelt. Andere verzichten nicht nur auf Honig, sondern auf jegliches Obst, das geerntet wird.

Low-Carb-Ernährung

Bei dieser Form der Ernährung wird der Anteil von Kohlenhydraten in der Nahrung zumindest reduziert. Es gibt aber auch Anhänger dieser Ernährungsweise, die den Kohlenhydratanteil auf Null reduzieren. Weshalb hier gerade Getreide, Kartoffeln und Zucker vom Speiseplan gestrichen werden.
Stattdessen ersetzen Fette und Eiweiß die Kohlenhydrate. Infolgedessen kommen hier vermehrt Fisch und Fleisch, Gemüse und Milchprodukte auf den Tisch.
Neben dem beabsichtigten Gewichtsverlust steht hier auch der gesundheitliche Aspekt im Fokus. So wird Wert auf einen niedrigen glykämischer Index bzw. eine niedrige glykämische Last bei der Auswahl des Essens gelegt, um den Blutzuckerspiegel nicht in die Höhe schnellen zu lassen. Zudem wird das Auftreten der so genannten Zivilisationskrankheiten auf unsere moderne, kohlenhydratlastige Ernährungsweise zurückgeführt. Deshalb favorisiert man hier die eher fleischlastige Ernährungsform früher Jäger- und Sammler, die für gesünder gehalten wird. Im Gegensatz zur Steinzeiternährung werden hier jedoch auch Milchprodukte verzehrt.

Paleo- oder Steinzeit-Ernährung

hierbei kommt kein Zucker, keine Milchprodukte, keine Hülsenfrüchte und auch kein Getreide auf den Teller, da diese in der Steinzeit weder gejagt, noch gefischt, gepflückt oder gesammelt wurden. Dabei geht man davon aus, dass der Körper nur naturbelassene Nahrung gut verarbeiten kann und will damit der Entstehung von Zivilisationskrankheiten vorbeugen. Weshalb hier auch keine industriell hergestellten Fertigprodukte gegessen werden, da diese auch nicht mehr den gewünschten Urgeschmack besitzen. Aus diesem Grunde vermeiden Anhänger der Paelo-Diät auch künstliche Zusatz-, Aromastoffe und Konservierungsstoffe in ihrer Nahrung. Erlaubt hingegen sind deshalb Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Eier, Honig, Kräuter, Beeren, tierisches Fett und Nüsse. Obst wird nur in Maßen verzehrt, da es meist viel Fruchtzucker enthält.

Clean Eating

geht ebenfalls auf den Grundgedanken zurück, sich möglichst natürlich zu ernähren. Wodurch Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, unbehandelte Milchprodukte, Honig und Nüsse in naturbelassener Form zur Ernährung gehören. Im Gegensatz zur Paleo-Ernährung wird auch Getreide – meist als Vollkorn – verzehrt. Gemeinsam ist beiden Ernährungsformen der Verzicht auf Zucker, Fast Food und Fertigprodukte.

Pescetarier

ernähren sich fleischlos – das bedingt normalerweise auch den Verzicht auf Gelatine. Eier, Milch, Honig und natürlich pflanzliche Kost sind jedoch Bestandteil dieser Ernährungsform. Fisch wird hingegen gerne konsumiert. Bei den restlichen Meeresfrüchten scheiden sich auch hier die Geister wieder, was bedeutet ein Teil der Pescetarier verzehrt Muscheln, Krebstiere und Kopffüßer – andere hingegen nicht.

Rohkostler oder Raw Food

verspeisen grundsätzlich sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung, wobei diese möglichst roh beziehungsweise in verarbeiteter Form nicht über 40 Grad Celsius erhitzt sein sollte. Weshalb die meisten Anhänger dieser Ernährungsform auch gleichzeitig Veganer sind. Denn sieht man einmal von Tartar oder Mettbrötchen ab, ist die Auswahl an rohem oder nur ganz geringfügig erhitztem Fleisch relativ klein. Gleiches gilt für Eier, industriell hergestellte Milch, Gelatine und Fisch. Wobei die Sushi-Bar, die auch Sashimi (japanische Zubereitungsart von rohem Fisch und Meeresfrüchten) führt, hier natürlich eine gute Alternative darstellt.

Flexitarier oder Mischkostler

stellen den gesundheitlichen Aspekt bei der Auswahl der Lebensmittel in den Vordergrund, weshalb grundsätzlich alle Nahrungsmittel bei dieser Gruppe zum Speiseplan gehören können und sollen, da eine besonders vielseitige Ernährung als ausgewogen und gesund angesehen wird. Dadurch reduziert sich bei dieser Ernährungsweise aber auch mehr oder weniger automatisch der Fleisch- und Fischanteil, der beim normalen Konsumenten ansonsten höher ausfällt. Außerdem spielt auch hier der Tierschutzgedanke eine Rolle, weshalb oftmals auf Bio-Produkte mit entsprechend sensibler Tierhaltung zurückgegriffen wird.

Freeganer

sind eine besondere Personengruppe, die sich vom normalen Konsumenten dadurch unterscheidet, dass zwar grundsätzliche alle Arten von Nahrungsmitteln gegessen, diese jedoch nicht gekauft werden. Entweder baut der Freeganer seine Nahrung selbst an und tauscht sie mit Gleichgesinnten oder aber er verwendet geschenkte Lebensmittel. Aber auch das Verwenden von weggeworfener Nahrung spielt hier eine große Rolle, die sich beispielsweise in den Containern von Supermärkten findet. Dabei geht es nicht darum, dies aus Not oder Ersparnisgründen zu tun, sondern darum dass unsere „Wegwerfgesellschaft“ auf diesen Missstand aufmerksam gemacht und verändert wird. Da – wie wir alle wissen – ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum oder auch eine kleine Schadstelle an Obst und Gemüse eigentlich kein Grund sind, diese nicht mehr zu essen. Trotzdem lassen sich solche Lebensmittel im Handel nicht mehr verkaufen, was einer Verschwendung von natürlichen Ressourcen gleichkommt.

Slow Food Bewegung

Diese wurde 1986 als Gegenbewegung zum überall auf der Welt gleich schmeckenden und erhältlichen Fast Food gegründet, wenngleich der heutige Name erst später angenommen wurde. Den Unterstützern dieses internationalen Vereins geht es in der Hauptsache um den Erhalt regionaler Nahrungsmittel, Tierarten und spezieller Herstellungsprozesse und damit auch um die Vielfalt und den besonderen Geschmack regionaler Produkte, wobei diese gut, sauber und fair produziert werden sollen, was auch einen fairen Preis für die kleinen, regionalen Anbieter beziehungsweise Erzeuger einschließt.

Erzeuger, Anbieter und auch Gastronomen, die sich für den Erhalt alter Nutztierarten, Kulturpflanzen oder auch wertvoller regionaler Lebensmittelspezialitäten inklusive deren besonderer Zubereitungsart einsetzen, werden von diesem Verein mit dem Slow-Food-Logo als Gütezeichen ausgezeichnet.

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