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Schär will über Mythen und Fakten rund um „Glutenfreie Ernährung“ aufklären

Anläßlich des Welt-Zöliakie-Tages am 16.5.2017 hat man sich im Hause Schär Gedanken zum Thema „glutenfreie Mythen und Fakten“ gemacht.

Dabei soll genauer beleuchtet werden, ob der Trend zur glutenfreien Ernährung für Nichtbetroffene wirklich gesund ist und warum derzeit auch in der Öffentlichkeit gerne darüber diskutiert wird.

Was ist davon zu halten, wenn auch Promis und Sportler auf den Zug „Glutenfreie Ernährung“ aufspringen? Ist diese Art des freiwilligen Verzichts auf Gluten tatsächlich dazu geeignet, Gewicht zu verlieren oder die eigene Fitness zu steigern?

Zu welchen Schlüssen man im Hause Schär beziehungsweise bei den externen Experten gekommen ist, gibt es hier nachzulesen:

  

Diät oder Lebenseinstellung? Glutenfreie Ernährung im Faktencheck

Burgstall (I), Mai 2017 - Glutenfreie Ernährung liegt voll im Trend. Nicht nur Promis wie Miley Cyrus und Gwyneth Paltrow ernähren sich bereits glutenfrei und „bewerben“ diese Ernährungsweise, auch viele Sportler tun es ihnen gleich. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen vom Wunsch, abzunehmen, bis hin zum Glauben, dass die glutenfreie Ernährung die Fitness und Leistungsfähigkeit fördert. Doch was ist dran an diesen Überzeugungen?

Macht Gluten uns alle krank?

Nein. Gluten ist nur schädlich für Menschen, die von einer Glutenunverträglichkeit betroffen sind. Der Begriff Glutenunverträglichkeit umfasst neben den Krankheitsbildern der Zöliakie (dauerhafte Unverträglichkeit des Immunsystems gegenüber Gluten) auch die der Weizenallergie (Lebensmittelallergie) und der Gluten- und Weizensensitivität (eine nicht allergische, glutenbedingte Funktionsstörung).

„Alle drei Formen haben gemeinsam: Ein Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel führt zu einer Besserung der Symptome“, sagt Ulrich Ladurner, Präsident von Dr. Schär. „Menschen, die unter Zöliakie leiden, müssen lebenslang komplett auf Gluten verzichten. Das gilt schon für Spuren von Gluten, da sie ihren Darm sonst nachhaltig schädigen und schwerste Mangelerscheinungen entwickeln können.“ Menschen, bei denen dagegen eine Gluten-/Weizensensitivität diagnostiziert wird, schädigen ihren Darm nach derzeitigem Kenntnisstand nicht und können unter Umständen sogar eine glutenarme Ernährung vertragen. Besteht keine solche medizinische Notwendigkeit, dann ist der Verzehr von Gluten im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung nicht schädlich.

Mythos Leistungssteigerung

„Dass eine glutenfreie Ernährung für jeden Menschen gesünder ist, lässt sich wissenschaftlich nicht bestätigen“, erläutert Prof. Dr. med. Martin Storr, Gastroenterologe am Gesundheitszentrum Starnberg. „Weizen, Roggen und Gerste enthalten nämlich, vor allem als Vollkornprodukte, auch viele wichtige Nährstoffe, Vitamine und Mineralien, beispielsweise Eisen, Vitamin D und K, auf die man nicht so einfach verzichten kann.“ Wer seine Ernährung umstellt, muss deshalb darauf achten, diese Nährstoffe aus anderen Quellen ausreichend zu sich zu nehmen. Nicht umsonst empfehlen Mediziner bei der Umstellung auf eine glutenfreie Diät die Begleitung durch eine Ernährungsberatung.

Mythos Abnehmen

Der Hollywood-Mythos des Abnehmens durch die glutenfreie Ernährungsweise ist genau das: ein Mythos. Denn die Promis nehmen durch den Verzicht auf Kohlenhydrate ab, nicht durch den Verzicht auf das Klebereiweiß Gluten. Fest steht: Wer glutenhaltige Produkte einfach durch glutenfreie Nahrungsmittel ersetzt, die die gleiche Menge Kohlenhydrate aus anderen Quellen enthalten, wird nicht automatisch abnehmen. Eine etwaige Gewichtsreduktion, vor allem in der Anfangszeit, resultiert meist aus der allgemein bewussteren Ernährung und dem Verzicht auf spontane, meist nicht glutenfreie Snacks zwischendurch.

War früher alles besser?

Frühere Getreideformen enthielten tatsächlich erheblich weniger Gluten und wurden auch seltener gegessen“, erklärt Eduard Bernhart, Corporate Research & Innovation Agricultural Projects bei Dr. Schär. „Moderne agrarwirtschaftliche Züchtungen haben das Korn verändert, denn je mehr von dem Klebereiweiß Gluten im Getreide steckt, umso besser lassen sich Brot und Brötchen backen.“

Dennoch kann man davon ausgehen, dass schon einige unserer Vorfahren empfindlich auf Gluten reagierten: Die ersten Beschreibungen einer Glutenunverträglichkeit reichen bis ins erste Jahrhundert nach Christus zurück. Der griechische Arzt Aretäus von Kappadokien beschreibt die Beschwerden in einem medizinischen Lehrbuch. Und benutzt als Erster das griechische Wort „koiliákos“, also „an der Verdauung leidend“. Der englische Kinderarzt Dr. Samuel J. Gee erkennt als einer der ersten im 17. Jahrhundert, wie wichtig eine Diät für Zöliakiepatienten ist. In Amerika schreibt 1908 Dr. Christian Herter ein Buch über Kinder mit Zöliakie. Auch ihm fällt auf, dass seine kleinen Patienten Fett besser vertragen als Kohlenhydrate. Aber erst während des Zweiten Weltkrieges findet der niederländische Kinderarzt Dr. Willem Karel Dicke eine Verbindung zwischen einer Zöliakie und Getreide: Als Brot und Mehl knapp sind und die Bevölkerung hungert, verbessert sich ausgerechnet bei seinen an Zöliakie leidenden Kindern der Gesundheitszustand. Zusammen mit einem Ärzteteam aus Birmingham kann Dr. Dicke 1952 auch beweisen, dass das Klebereiweiß Gluten für Zöliakie verantwortlich ist.

Die Dunkelziffer

Rund 60.000 Menschen in Deutschland haben Zöliakie. Tatsächlich liegt die Dunkelziffer aber weitaus höher: Mindestens 400.000 Personen sind von der Krankheit betroffen, ohne es zu wissen. In Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild: Es sind zwar nur circa 8.000 Menschen diagnostiziert, man rechnet aber mit einer Dunkelziffer von rund 76.000 Betroffenen. Insgesamt ist schätzungsweise ein Prozent der weltweiten Bevölkerung von Zöliakie betroffen.

Wer den Verdacht hat, dass der Verzehr von Gluten Beschwerden auslöst, sollte dies unbedingt durch einen Arzt abklären lassen. Dies geschieht z.B. durch einen Bluttest in Verbindung mit einer Dünndarmbiopsie (Zöliakie), einen Allergietest (Weizenallergie) oder klinisch durch ein Ausschlussverfahren (Gluten-/Weizensensitivität). Die Symptome der drei Krankheitsbilder sind dabei sehr ähnlich. Am häufigsten treten Verdauungsbeschwerden auf, gefolgt von unspezifischen Symptomen wie Hautproblemen, Erschöpfung und Kopfschmerzen oder Migräne.

  

Die Dr. Schär Unternehmensgruppe und die Marke Schär          
Die Unternehmensgruppe Dr. Schär bietet Menschen, die sich glutenfrei ernähren, mit der Marke Schär das breiteste Sortiment an schmackhaften, hochwertigen und sicheren glutenfreien Produkten. In Europa ist Dr. Schär im Bereich glutenfreie Lebensmittel Marktführer. Das Sortiment von 120 glutenfreien Produkte reicht von Brot, Pasta und Keksen bis hin zu Mehlen, Cerealien, Tiefkühlprodukten und verschiedene Snacks. Schär arbeitet eng mit Ernährungsexperten zusammen, hat ein hauseigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum und bietet den Betroffenen auch umfangreiche Beratungs- und Servicedienstleistungen. In Deutschland erreicht die Unternehmensgruppe aktuell einen Marktanteil von ca. 60 Prozent im Rest Europas liegt der Marktanteil bei durchschnittlich 35 bis 40 Prozent. 2015 hat Dr. Schär einen Umsatz von 335 Millionen Euro erzielt. Weitere Informationen gibt es unter www.schaer.com.

Gluten-/Weizensensitivität
Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Durchfall, Migräne und Völlegefühl – Gluten löst bei vielen Menschen Beschwerden aus und das oft sehr unspezifisch. Während Zöliakie und Weizenallergie gut erforscht sind, wird derzeit über eine neue Form der Gluten-Unverträglichkeit diskutiert: Gluten-/Weizensensitivität. Eine konkrete Diagnoseerstellung ist bislang noch nicht möglich, Zöliakie und Weizenallergie müssen aber zunächst medizinisch ausgeschlossen werden. Wie häufig Gluten-/Weizensensitivität auftritt, ist noch nicht erforscht. Experten vermuten jedoch, dass sie häufiger vorkommt als Zöliakie.

Hintergrund Zöliakie
In Deutschland ist die Zahl der Zöliakiebetroffenen hoch: Es sind zwar nur circa 70.000 Menschen diagnostiziert, man rechnet aber mit rund 400.000 Menschen, die von der Gluten-Unverträglichkeit Zöliakie betroffen sind, ohne es zu wissen. Das Klebereiweiß Gluten ist in zahlreichen Getreidesorten enthalten, unter anderem in Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel. Bei Menschen mit Zöliakie lösen bereits geringste Mengen Gluten eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus, mit zum Teil schwer wiegenden Symptomen. Die einzig mögliche Therapie der Zöliakie besteht in einer lebenslangen streng glutenfreien Ernährung.

Reizdarm
Eine aktuelle Studie der Charité Berlin zeigt, dass ein Drittel der Reizdarmpatienten positiv auf eine glutenfreie Ernährung reagieren und somit eine Weizensensitivität haben. Das Reizdarmsyndrom zählt zu den häufigsten chronischen Magen-Darm-Erkrankungen. Rund 15 Prozent der Bevölkerung sind betroffen – Frauen doppelt so häufig wie Männer.

Unser Fazit:

Wie immer - hat es Vor- und Nachteile, wenn ein Thema mehr in den Fokus des öffentlichen Interesses rückt.

So gut eine größere Sensibilität bei Ärzten, Herstellern (wie z.B. der pharmazeutischen Industrie oder den Nahrungsmittelproduzenten) und der Bevölkerung für das Thema Gluten- oder Weizenunverträglichkeit ist, umso besser stehen die Chancen, dass Betroffenen tatsächlich geholfen werden kann. Auch wäre es wünschenswert, wenn sich dadurch die Dunkelziffer verringern ließe und möglichst viele Menschen endlich die Ursache für ihre durchaus unterschiedlichen Beschwerden ausmachen könnten.

Andererseits schaden die oben genannten Mythen den wirklich Betroffenen manchmal mehr, wie sie ihnen nützen. Nicht selten wird man inzwischen belächelt, wenn man im Restaurant oder bei Bekannten sagt, dass man dieses oder jenes nicht verträgt. Weil man automatisch in der "Glutenfrei-Modetrend-Ecke" landet.

Weshalb hier Aufklärung wirklich wichtig ist.

Es ist relativ schwierig, sich komplett glutenfrei zu ernähren. Weshalb sich der freiwillige Modetrend dazu hoffentlich nicht lange halten wird.
Um Gewicht zu verlieren, ist eine kohlenhydratarme Ernährung sicherlich eine gute Idee. Brot, Brötchen und Nudeln enthalten viele Kohlenhydrate. Diese wegzulassen bringt also etwas. Das hat allerdings rein gar nichts mit dem darin enthaltenen Gluten zu tun. Einmal ganz davon abgesehen, dass glutenfreie Ersatzprodukte oftmals auf Mais- und Reisbasis hergestellt sind und damit keineswegs kohlenhydratärmer sind, wie die glutenhaltigen Originale! Damit kann man also absolut nicht abnehmen.

Was jetzt den Begriff "im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung" anbelangt, ist dieser zwar hübsch, entspricht aber in der Regel nicht der täglichen Realität des Otto-Normal-Verbrauchers. Brot und Brötchen sind überall schnell verfügbar, kostengünstig und das Essen ist in 3 Minuten fertig. Auch muss dabei nichts warmgehalten werden, das anbrennen könnte, wenn die einzelnen Familienmitglieder zu unterschiedlichen Zeiten nach Hause kommen. Weshalb wir meist zu häufig auf diese Art von Nahrungsmitteln zurückgreifen, einfach weil es schnell geht und unkompliziert ist. Zeit wirklich jeden Tag frisch und gesund selbst zu kochen, haben die wenigsten von uns. Vorausgesetzt man kann überhaupt kochen, was heute ebenfalls nicht mehr selbstverständlich ist. Lieferdienste für Essen und Fertiggerichte jeder Art boomen seit Jahrzehnten und dieser Trend setzt sich scheinbar ungebremst fort. Weshalb wohl nur sehr wenige Menschen von sich behaupten können, sich wirklich ausgewogen zu ernähren. Dadurch, dass die modernen Getreidesorten deutlich mehr Gluten enthalten wie früher und sie heute in sehr vielen Lebensmitteln stecken und zwar auch in solchen, in denen sie völlig unnötig sind und auch noch unvermutet enthalten sind, nehmen wir inzwischen eine deutlich höhere Menge an Gluten zu uns, die durchaus auch für einen Anstieg der Unverträglichkeiten sorgen dürfte, auch wenn dies kaum nachzuweisen ist.

Weshalb es unter Umständen durchaus möglich ist, dass sich einzelne Personen wohler oder fit fühlen, wenn sie freiwillig weniger Gluten zu sich nehmen und stattdessen ihre Ernährung umstellen. Ein gemischter Salat - selbst mit Thunfisch, magerem Schinken, gebratenem Geflügel oder Ei aufgepeppt - liegt einem einfach nicht so schwer im Magen, wie zwei oder drei deftig belegte Brötchen. Das können sicherlich die meisten von uns nachvollziehen. Andererseits scheitert dies oft schon daran, dass man keine Zeit hat, jeden Tag die dafür nötigen frischen Zutaten einzukaufen oder sich die Arbeit des Zubereitens zu machen. Gerade Brot lässt sich problemlos länger aufbewahren und auch Brötchen sind oftmals durch Toasten auch am nächsten oder übernächsten Tag noch durchaus gut zu essen. Freiwillig komplett auf Gluten zu verzichten, ist aber auch hier keine wirklich zielführende Idee. Eine bewusste Reduktion jedoch unter Umständen schon. Denn mehr Gemüse oder Eiweiß oder auch ein wenig mehr frisches Obst im Speiseplan wären durchaus eine gute Idee. Das Sprichwort: "Man ist, was man isst" hat durchaus seine Berechtigung. Gluten als böse zu verteufeln, würde aber deutlich über das Ziel hinausschießen.

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