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Zöliakie-Auslöser – neue Verdächtige im Fokus

Der Verdacht, dass eine an sich harmlose Virusinfektion im Zusammenspiel mit glutenreicher Ernährung der Auslöser für das Auftreten einer Zöliakie ist, scheint sich erhärten.

Zumindest sehen das Forscher um Valentina Discepolo, Reinhard Hinterleitner und Romain Bouziat an der University of Chicago so.

Bislang herrscht noch immer noch Unklarheit darüber, wodurch Zöliakie genau ausgelöst wird. Hauptverdächtige waren dabei bisher erbliche Faktoren – allerdings schon lange im Zusammenspiel mit vielen weiteren Faktoren (wie z.B. dem Immunsystem, Infektionen, den Ernährungsgewohnheiten und Umweltfaktoren). Vielleicht kommt also der Infektion tatsächlich eine größere Bedeutung zu, als dies bisher vermutet wurde.

Nachdem bei dieser Autoimmunerkrankung das in vielen Getreidearten enthaltene Klebereiweiß Gluten nicht vertragen wird und das Protein das körpereigene Immunsystem dazu veranlasst, den Darm anzugreifen, müssen Patienten derzeit ein Leben lang auf Gluten verzichten.

Virologen nehmen Darmvirus ins Visier

Insofern lag eine Studie nahe, bei der die Wissenschaftler Blut- sowie Dünndarmgewebeproben von Zöliakie-Patienten untersuchten und diese mit einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Dabei stellte man fest, dass die Zöliakie-Patienten signifikant mehr Antikörper gegen ein bestimmtes Darmvirus im Blut hatten, wie die Kontrollgruppe. Das Vorhandensein des so genannten Reovirus (RNA-Virus, das zur Familie der Reoviridae gehört) deutet darauf hin, dass die Patienten höchstwahrscheinlich eine entweder kürzlich vergangene oder eine chronische Darmvirusinfektionen hatten. Entsprechende Anzeichen dieser Infektion fanden die Forscher auch im Darmgewebe der betroffenen Patienten.

Im Tierversuch mit Labormäusen konnte dieser vermutete Zusammenhang mit der Darmvirusinfektion bestätigt werden. So zeigten die Versuchstiere ähnliche Symptome wie Zöliakie-Patienten, nachdem die zuvor nicht an Zöliakie erkrankten Mäuse mit dem Reovirus infiziert und gleichzeitig mit glutenhaltiger Nahrung gefüttert wurden.

Es wird vermutet, dass die Darmviren das Immunsystem sozusagen bereits in Alarmbereitschaft versetzt haben. In Kombination mit glutenhaltiger Nahrung werden dann neben den für die Immunabwehr wichtigen T-Lymphozyten auch Gluten-Antigene produziert. Dieses zeitlich ungünstige Zusammentreffen könnte der Auslöser für den dauerhaften Fehlalarm im Körper sein.

Dazu würde es dann auch passen, dass Zöliakie oft schon im Kleinkindalter auftritt, da nach der Stillphase eine Ernährungsumstellung erfolgt, bei der oftmals glutenhaltige Nahrung, wie zum Beispiel Grießbrei, verzehrt wird.

Eine weitere, häufiger von Zöliakie betroffene Personengruppe – neben Kleinkindern – sind die 30- bis 40-Jährigen. Wobei auch bei dieser Gruppe positive Antikörpertests und auch eine Schleimhautschädigung im Dünndarm beobachtet werden, selbst wenn keine spezielle Darmsymptomatik vorliegt. Daneben gibt es auch noch regionale Unterschiede in der Häufigkeit, die auf den unterschiedlich hohen Anteil an Gluten in der üblichen Nahrung zurückgeführt werden, der in den westlichen Industrieländern besonders hoch ist.

Ob sich aus diesem Forschungsansatz tatsächlich einmal eine frühkindliche Impfung gegen Darmviren entwickelt, die das Auftreten von Zöliakie bei dieser Risikogruppen vermindern kann, steht bislang noch nicht fest. Hierzu sind noch weitere Studien notwendig.

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