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Gentechnik - längst eine Tatsache auf unseren Tellern

Soja, Raps und Mais sowie deren Bestandteile stecken in immer mehr Lebensmitteln – leider oft in gentechnisch veränderter Form.

Soja

Zum einen verarbeitet die Lebensmittelindustrie in Fertigprodukten gerne Sojaflocken, Sojamehl, Sojasoße, Sojakleie und Lecithin, Öl oder isoliertes Eiweiß aus Sojabohnen. Gerade Vegetarier, Veganer und Menschen mit einer Laktoseintoleranz greifen oftmals zu Tofu und anderen Soja-Produkten, da diese hochwertiges Eiweiß liefern. Das gilt auch oftmals für die Fleischersatzprodukte. Bei diesen Produkten ist es noch relativ einfach festzustellen, ob sie Sojabestandteile enthalten, da diese auf der Umverpackung angegeben sind.

Deutlich schwieriger, bis unmöglich wird es aber bei Milch, Käse, Eiern, Fleisch und Fisch. Denn auch in diesen Nahrungsmitteln kann durchaus viel Soja stecken und zwar in Form von Futtermitteln für die Tiere.

Verbot

Richtig ist, dass es innerhalb der EU verboten ist, gentechnisch manipuliertes Soja anzubauen.
Allerdings ist dies eine Mogelpackung, denn dieses Verbot verhindert absolut nicht, dass dieses Gen-Soja auf unserem Teller landet.

Ein Importverbot für gentechnisch verändertes Soja gibt es nämlich nicht. Weshalb auch regional produzierte Produkte solches beinhalten können. Führende Anbauländer für Gen-Soja sind neben den USA auch Argentinien und Brasilien.

Glyphosat

Ziel dieser Veränderungen des Erbgutes ist es, die Sojapflanzen gegen Glyphosat, das im Pflanzengift Roundup steckt, unempfindlicher zu machen. Eben jenes Herbizid, gegen das sich selbst Politiker inzwischen stark machen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu Glyphosat:
“Der Ausschuss für Risikobeurteilung der ECHA stellte am 15. März 2017 fest, dass der Wirkstoff Glyphosat auch nach dem EU-Chemikalienrecht nicht als krebserregend einzustufen ist. Der Ausschuss wird jetzt seinen schriftlichen Bericht erstellen und diesen der Kommission übermitteln, die auf Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnisse einen Verordnungsvorschlag vorlegen wird. Mit der anschließenden Entscheidung über diesen Kommissionsvorschlag wird das Verfahren zur Neubewertung und Wiedergenehmigung abgeschlossen.“

Nachdem eine Teilbehörde der WHO zu dem Schluss gekommen war, dass Glyphosat grundsätzlich Krebs auslösen könne und eine entsprechende Krebswarnung herausgegeben hatte, kam ein anderes Fachgremium („Joint Meeting of Pesticide Residues"), das ebenfalls zur WHO und außerdem zur Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gehört, zu diesem Schluss: dass es bei gebräuchlichen Mengen kein Krebsrisiko für Menschen durch Glyphosat-Rückstände gibt.

Woher kommt diese unterschiedliche Beurteilung. Ganz einfach, es kommt auf die konkrete Fragestellung an. Im ersten Fall handelt es sich um eine grundsätzliche Beurteilung dieser Chemikalie und im zweiten Fall geht man „von gebräuchlichen Mengen“ aus, denen der Mensch ausgesetzt ist.

Ein Schelm wer Böses dabei denkt, wenn Monsanto und andere Pestizidfirmen große Summen an Spendengelder an Institute bezahlen, bei denen die Vorsitzenden der vorgenannten Arbeitsgruppe, die über Glyphosat zu entscheiden hatte, zufällig Vorstandsmitglied oder Vizepräsident sind.

Über diese massiven Interessenskonflikte berichtete die englische Zeitung TheGuardian. Hierzulande hörte man davon hingegen wenig.

Die Internationale Krebsforschungsagentur hält Glyphosat hingegen für "wahrscheinlich krebserregend".

GVO-Kennzeichnungspflicht

Richtig ist auch, dass es eine Kennzeichnungspflicht für GVO (gentechnisch veränderte Organismen) gibt. Diese ist in der EU-Verordnung (EG) Nr. 1830/2003 geregelt. Diese gilt für Lebensmittel und Futtermittel, die aus GVO bestehen, diese enthalten oder daraus hergestellt werden. Außerdem müssen auch das Saatgut von gentechnisch veränderten Pflanzen, gentechnisch veränderte Schnittblumen oder gentechnisch veränderte Zierfische gekennzeichnet werden.
Das klingt erst einmal so, als wäre damit für den Verbraucher gewährleistet, dass er nachvollziehen und entscheiden kann, ob er Gen-Soja essen möchte oder nicht. Leider ebenfalls ein Irrtum.

Denn – wie immer – gibt es Ausnahmen von dieser Regelung:

  • So müssen Produkte, die von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden, ausdrücklich nicht gekennzeichnet werden.
  • Lebensmittel, die zufällige oder technisch unvermeidbare Spuren von GVO oder daraus hergestelltem Material bis zu einem Anteil von höchstens 0,9 Prozent enthalten.

Das bedeutet im Klartext, dass tierische Produkte (wie Milch, Käse, Eier, Fleisch und Fisch) keinen Hinweis auf evtl. verwendete, gentechnisch veränderte Futtermittel enthalten müssen. Damit ist dem Käufer die Möglichkeit genommen, dies nachzuvollziehen. Eine bewusste Entscheidung für oder gegen solche Bestandteile in unserer Nahrung ist somit unmöglich.

Leider ist dies nicht nur bei Soja so, sondern auch bei anderen wirtschaftlich bedeutenden Nutzpflanzen wie z.B. Raps.

Raps

Raps little
Rapsfeld - Foto: Pixabay/CC0 Public Domain, Gellinger

Um den Anbau von Raps profitabler zu machen, gibt es inzwischen einen so genannten herbizidresistenten Raps (auch transgener Raps genannt), der widerstandsfähiger gegen Unkrautvernichtungsmittel ist. Dazu haben die Forscher ein Gen aus einem Bodenbakterium sowie Erbgutinformationen aus einem Pflanzenvirus in die neue Sorte Raps integriert.

Fragt sich, wer diese Dinge in seiner Nahrung haben möchte?
Auch in der EU gibt es zugelassene Sorten von trangenem Raps als Lebens- und Futtermittel, welche die Firmen Bayer CropScience und Monsanto beantragt und auch genehmigt bekommen haben. In den USA und Kanada wird er bereits fleißig angebaut, ebenso in Australien und Chile. Zudem ist auch der Import in die EU nicht verboten.
Studie der Universität Bremen zu gentechnisch verändertem Raps.

Hinzu kommt, dass Raps ein hohes Auskreuzungspotential besitzt und so eine Übertragung der Herbizidresistenz auf relativ weit entfernte Kreuzungspartner nicht nur möglich, sondern extrem wahrscheinlich ist. Dies geschieht zum einen durch den vom Wind übertragenen Blütenstaub und zum anderen durch Bienen, die ebenfalls einen Flugradius von bis zu 4 Kilometern haben.

Damit besteht die Gefahr, dass wilder Raps an Straßenrändern und dergleichen ebenfalls herbizidresistent wird und so künftig vielleicht zu einem nicht zu kontrollierenden Unkraut entwickelt. Und selbst auf verwandte Arten, wie Gemüsekohl, Senf und Rettichpflanzen kann die Resistenzeigenschaft übertragen werden. Rapssamen sind zudem Überlebenskünstler und bleiben ohne Probleme 10 bis 15 Jahre im Boden in keimfähigen Zustand, so dass Wissenschafter davon ausgehen, dass die Verbreitung der einmal eingeführten Herbizidresistenz nie mehr rückgängig zu machen ist.

Neben dem allseits bekannten Rapsöl, das auch in vielen verarbeiteten Lebensmitteln zu finden ist, ist Raps ebenfalls eine weit verbreitete Futterpflanze für Nutzvieh. Womit wir wieder bei der Ausnahme für die Deklaration von gentechnisch veränderten Futtermitteln als Bestandteil von tierischen Produkten wären.

Nicht nur der WWF Deutschland lehnt deshalb gentechnisch veränderte Organismen in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei ab, solange Schäden für Natur und Mensch nicht ausgeschlossen werden können.

So appelliert der WWF an die Unternehmen, konsequent Bio-Soja, gentechnikfreies Soja des nachhaltigen ProTerra Standards oder die gentechnikfreie Lieferkette des Runden Tisches für nachhaltiges Soja (RTRS) zu nutzen. ProTerra- und RTRS-Zertifizierungen schreiben Mindestanforderungen in Bezug auf Sozial- und Umweltstandards vor – auch wenn noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht. Wie etwa beim Einsatz von Chemikalien, der Entwaldung und der Bodenfruchtbarkeit. Eine andere gute Alternative wäre es, Soja durch andere heimische Futtermittel zu ersetzen.

Mais

Mais little
Maiskolben, Foto: Pixabay/CC0 Public Domain, mute-gemini

Einige Maissorten wurde ebenfalls mit einem Gen eines Bodenbakteriums gentechnisch verändert, um ein für Fraßinsekten giftiges Protein zu produzieren. Guten Appetit!
Mais kommt in vielen verarbeiteten Lebensmitteln zum Einsatz und ist oftmals als Maismehl (neben Reismehl) ein wichtiger Grundstoff für glutenfreie Nudeln, glutenfreies Brot oder Gebäck. Als Futtermittel findet sich Gen-Mais dann ebenfalls in den oben genannten tierischen Produkten deklarationsfrei wieder.

Was also tun?

Gerade die Nachfrage nach immer größeren Mengen, möglichst günstiger tierischer Erzeugnisse, wie zum Beispiel Fleisch und Milch, setzt eine verhängnisvolle Spirale in Gang, die gerade bei den Futtermitteln für einen hohen Absatz an genmanipulierten Rohstoffen, wie Soja, Raps und Mais, sorgt.

So empfehlen viele Naturschutz- und Verbraucherorganisationen den Fleischkonsum zu reduzieren und auf hochwertige, gentechnikfreie Bio-Produkte auszuweichen, was natürlich auch eine Frage des zur Verfügung stehenden Budgets ist. Immer ist das sicherlich nicht möglich, genauso wenig wie ein konsequenter Einkauf bei regionalen Erzeugern in der Umgebung, bei denen man weiß, woher nicht nur das Tier, sondern vor allem auch das Futter kommt.

Wer sich nicht nur beim Einkauf für dieses Thema interessiert, kann natürlich auch eine der zahlreichen Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen unterstützen, die sich hierfür einsetzen.

Trotzdem müssen wir weg von einer möglichst günstigen Massenproduktion mit all ihren negativen Folgen für Tier, Mensch und Umwelt und wieder gesündere, wenn auch teurere Nahrungsmittel einfordern. Als Konsument kann man dies durchaus über die Ladenkasse beeinflussen, in dem man künftig genauer darauf achtet, was in den Produkten wirklich steckt und wo sie herkommen.

Einige große Supermarkt-Ketten reagieren inzwischen auf  dieses, sich verändernde Kaufverhalten und sind dabei Produkte einzuführen oder zusätzliche Produktgruppen mit entsprechenden Siegeln auszustatten. Das ist in diesem Fall jedoch nicht einfach nur ein weiteres Siegel, über das man sich streiten kann, sondern diese helfen tatsächlich bei einer bewussten Kaufentscheidung. Da ohne diese gesonderte Bestätigung eine Unterscheidung zwischen gentechnisch veränderten und unveränderten Lebensmitteln – speziell bei tierischen Produkten – für den Verbraucher ansonsten unmöglich ist.

Hilfreiche Siegel

Label „Ohne Gentechnik“

Logo OG little
Foto: Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG), Berlin

Diese Siegel kennzeichnet Lebensmittel, die ohne den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) oder Teilen davon hergestellt wurden. Die Futtermittel dürfen ebenfalls keine gentechnisch veränderten Pflanzen beinhalten. Außerdem ist der Einsatz von Vitaminen, Aromen, Enzymen und anderen Lebensmittelzusatzstoffen, die mithilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wurden, verboten.

Label „Gutes Futter“

Logo gutes Futter mini
Foto: EDEKA, Hamburg

Dieses Siegel wird an Produkte vergeben, die ohne gentechnisch veränderte Futtermittel hergestellt werden.

Solche Siegel finden sich bereits auf etlichen Milch- und Fleischprodukten sowie Eiern, beispielsweise bei Edeka und Netto.
Auch REWE, Tegut und die Discounter Aldi Süd, Aldi Nord und Lidl bieten bei ihren Eigenmarken immer mehr gentechnikfreie Milchprodukte an.

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