Quelle: Foto Terra Concordia gUG Deutschland

Von essbaren Landschaften und Obstbaumeltern

Mundraub.org hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen und Obstbäume zu verbinden. Wie geht das?

Dabei sollen heimische Obstbäume, Streuobstwiesen und Obstbaumalleen erhalten und nachgepflanzt sowie das Bewusstsein für ein grünes Umfeld erhöht und gefördert werden. Dafür arbeitet man mit Kommunen, Schulen, Firmen und Privatpersonen zusammen.

Essbare Landschaften

So kann man bei Fahrradtouren durch Städte wie beispielsweise Berlin, heimisches Obst im öffentlichen Raum entdecken und die essbaren Landschaften gemeinsam nutzen und gestalten. Das geht natürlich auch alleine, z.B. auf einer privaten Fahrradtour. Entdeckt man einen neuen Standort kann man diesen durch einen Eintrag auf der Landkarte melden und mit Anderen teilen. Oder man veranstaltet gemeinsame Pflanz- und Ernteaktionen, trägt den eigenen Garten als Erntestelle bei mundraub.org ein oder engagiert und tauscht sich in regionalen Gruppen Gleichgesinnter aus.

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Foto: Terra Concordia gUG Deutschland

Obstbaumeltern

Mit einer Spende kann man in Berlin auch für kommende Generationen etwas Gutes tun und zwar als „Obstbaumeltern“. Dazu bekommt man einen mit den Behörden abgestimmten Standort und einen Eintrag des Fundorts auf der Mundraub-Map. Zusammen mit anderen Obstbaumeltern wird dann in Form eines Pflanzevents der neue Obstbaum (einer alten, standortgerechten Sorte) gepflanzt. Gefolgt von einem Pflanzschnitt unter fachlicher Anleitung. Da man mit dieser Patenschaft auch die Pflege des Bäumchens übernimmt, folgt etwa ein Jahr nach der Pflanzung auch noch eine Einladung zum Baumschnittkurs, um auch diese Aufgabe künftig problemlos bewältigen zu können. Um kostendeckend arbeiten zu können, wird ein Betrag von 100,- bis 150,- Euro pro Baum empfohlen. Einen alleinigen Anspruch auf das Ernten der Früchte erwirbt man dadurch nicht, da es sich um öffentlich zugängliches Gelände handelt. Natürlich kann man auch ohne Patenschaft die Ziele von Mundraub unterstützen. Die Organisatoren freuen sich über jede Spende.

In Zeiten leerer öffentlicher Kassen hat die Zusammenarbeit mit mundraub.org auch für Kommunen ihre Vorteile. Denn die Kosten für die Begrünung und der folgende Pflegeaufwand kann eingespart und trotzdem das Erscheinungsbild und die Lebensqualität innerhalb der Gemeinde verbessert werden. Frei nach dem Motto “Die Stadt ist dein Garten” pflanzen Privatpersonen nach vorheriger Abstimmung mit den Behörden im öffentlichen Raum Obstbäume für sich und ihren Nachwuchs. Dadurch hinterlassen die Obstbaumeltern für sich und ihre Kinder etwas Bleibendes mit hoher Symbolkraft. Denn Obstbäume können - bei guter Pflege - etwa 80 bis 100 Jahre alt werden. Die Obstbaumeltern kümmern sich selbst um die Pflege der Bäume (z.B. das Bewässern) und schließen sich hierbei zu Gruppen zusammen. Dies stärkt die Gemeinschaft und hält den Aufwand für alle Beteiligten gering.
Zum ObstBaumSchutzText – Aufgaben für Obstbaumeltern.

Projekt „Nachwuchs“ in Kooperation mit Kaufland

Die letzte Pflanzaktion von fünf weiteren Obstbäumen für den „Essbaren Bezirk Berlin-Pankow“  fand am 16. März 2017 statt. Gestartet war man im Dezember 2016 auf öffentlichen Flächen, die seitens des Bezirks bereitgestellt worden waren.

Über diese gelungene Zusammenarbeit von Obstbaumeltern aus der Mundraub-Community und Kaufland freut sich nicht nur der Mundraub-Gründer Kai Gildhorn – es profitieren alle von diesem Engagement, bei dem triste Flächen in essbare Landschaften verwandelt werden. 
Egal ob Obstbäume; Obststräucher, Nüsse oder Kräuter mit mundraub.org lassen sich an den verschiedensten Orten Äpfel, Felsenbirnen, Kirschen, Mirabellen, Pflaumen, Walnüsse und vieles mehr in der eigenen Umgebung finden, entdecken und auch ernten.

Für den kommenden Herbst und Winter sind weitere Pflanzaktionen in Vorbereitung.

Vorteile für Unternehmen

Wer in Deutschland Flächen versiegelt, z.B. durch den Bau eines Supermarktes, ist gesetzlich zu so genannten Ausgleichsmaßnahmen verpflichtet. Um diese aber nicht nur im Stillen vorzunehmen, bietet die Zusammenarbeit mit mundraub.org eine gute Möglichkeit, auch die Öffentlichkeit, Schüler, Anwohner, Mitarbeiter und Kunden von diesem Vorhaben nicht nur zu unterrichten, sondern sie mit einzubeziehen.

Streuobstwiesen

Zur Bedeutung von Streuobstwiesen ein Beitrag des NABU:
“Für die mitteleuropäische Biodiversität spielen Streuobstbestände mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie über 3.000 Obstsorten eine herausragende Rolle. Charakterarten sind Steinkauz, Wendehals und Grünspecht.“

Beitrag des BUND zum Thema Streuobstwiesen:
„Streuobstwiese - bedrohter und erhaltenswerter Lebensraum für vielfältige Arten“

Eigentumsrechte vorher klären

Vor dem Eintragen eines Standortes und natürlich erst recht vor der Ernte muss sichergestellt werden, dass keine Eigentumsrechte verletzt werden, denn auch öffentliche Flächen können beispielsweise entlang einer Landstraße entweder verpachtet sein oder durch eine Streuobst-Initiative gepflegt und bewirtschaftet werden. Außerdem kann sich das Gelände natürlich auch in Privatbesitz befinden. In diesen Fällen ist das kostenlose Ernten auch auf öffentlichen Flächen nicht erlaubt.

Laut Strafrecht ist der so genannte Mundraub (also beispielsweise Kirschen auf einer nicht eingezäunten Streuobstwiese oder Mais am Feldrand zu pflücken) Diebstahl, wenn man vorher nicht um Erlaubnis gefragt hat. Nur für Waldflächen gibt es Ausnahmen. Alles was dort z.B. wild an Blaubeeren, Wildblumen oder Pilzen wächst, darf ohne vorherige Erlaubnis gesammelt werden. Allerdings auch nur, wenn es dabei nur um geringe Mengen handelt und diese nur für den privaten Bedarf sammelt werden.

Im Zweifelsfall geben die zuständigen Behörden Auskunft darüber, ob die Obstbäume auf öffentlichem Grund stehen und somit dort von Jedermann geerntet werden darf. Dies kann beispielsweise das jeweils zuständige Grünflächenamt, die Straßenverkehrsbehörde oder auch die Untere Naturschutzbehörde, die auf Landesebene regionale Anlaufstellen bietet, sein.

Fazit:

Initiativen – egal ob privater Natur – oder von Umweltschutzverbänden ins Leben gerufen, die zur Begrünung von brachliegenden Flächen dienen und zum Beispiel in Form von Streuobstwiesen wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen schaffen, sind eine begrüßens- und unterstützenswerte Idee. Weshalb auch wir gerne unseren kleinen Beitrag dazu leisten wollen, solche Bestrebungen, wie die von mundraub.org, ein bisschen bekannter zu machen und so hoffentlich für neue Mitstreiter zu sorgen.

Es gibt solche Ansätze auch in anderen Formen, wie beispielsweise die Minibeete, die Anwohner rund um Bäume anlegen und pflegen, welche die Stadt auf öffentlichem Grund entlang der Straßen oder zwischen Parkplätzen gepflanzt hat. Auch städtische Dachgärten oder die Begrünung von Mauern und ganzen Häuserfronten schaffen zusätzliches Grün im urbanen Raum und verbessern nicht nur die Lebensqualität, sondern auch noch unsere Luft. In allen Fällen hält sich der dafür nötige Zeit- und Arbeitsaufwand in relativ überschaubaren Grenzen. So können wir alle einen kleinen Beitrag für ein schöneres und besseres Miteinander leisten und uns ein Stückchen Natur zurückholen, anstatt sie nur immer weiter zurückzudrängen.

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