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Kokosblütenzucker - nur teuer oder auch gesünder?

Kokosblütenzucker ist deutlich mineralstoffreicher als der übliche Haushaltszucker und hat zudem einen nur etwa halb so hohen glykämischen Index.

Neben dem Kokosblütenzucker selbst haben wir uns auch verwandte Produkte genauer angesehen:

Kokosblütenzucker / Kokoszucker

Geschmack

Kokosblütenzucker wird auch Kokoszucker genannt. Er schmeckt leicht malzig mit einer feinen Karamell-Note, nicht aber nach Kokosnuss, auch wenn der Name dies vielleicht vermuten lässt. Die Süßkraft von Kokosblütenzucker fällt ein klein wenig geringer aus, als bei herkömmlichem Haushaltszucker und ist gut mit der von Rohrohrzucker vergleichbar, kann aber der Einfachheit halber auch 1:1 wie normaler Haushaltszucker verwendet werden. Kokosblütenzucker lässt sich vielseitig einsetzen, da er einen geringen Schmelzpunkt hat und sich so auch gut in warmen Speisen auflöst.

Anbau

Gewonnen wird er aus frischem Kokosblütensaft – also aus dem Nektar der Blüte von Kokospalmen. Dieser Zucker ist vegan und von Natur aus glutenfrei. Reiner Kokosblütenzucker bleibt standardmäßig naturbelassen und ist nicht raffiniert. Wichtig dabei ist, dass er unbedingt aus biologischer und nachhaltiger Landwirtschaft stammen sollte. Denn dann kann eine Kokospalme über 70 Jahre lang Nektar hervorbringen.

Wie nachhaltig der Anbau auf der jeweiligen Kokosnussplantage ist, von welcher der gekaufte Zucker stammt, ist – wie immer – unterschiedlich. Normalerweise werden Kokosnussplantagen bislang eher im kleinen Rahmen betrieben und nicht auf ehemaligen Regenwaldgebieten, die dafür abgeholzt wurden. Wer wirklich sichergehen will, kommt jedoch um eine Rückfrage beim Hersteller nicht herum. Wobei einige Produzenten diese Informationen erfreulicherweise auch bereits auf ihrer Webseite hinterlegt haben.

Schneidet man die Blütenknospe der Kokospalme an, tritt dort ein Saft aus, welcher als Kokosnektar bezeichnet wird. Der aufgefangene Saft wird gesiebt, wodurch unerwünschte Pflanzenteile und Schmutz entfernt werden. Da frischer Kokosblütennektar bei tropischen Temperaturen schnell zu gären beginnt, muss dies er möglichst frisch und zeitnah zu Sirup eingekocht werden, was normalerweise mit mindestens 70 Grad erfolgt. Nach längerem Kochvorgang kristallisiert der Sirup und es entstehen die Kokosblütenzuckerkristalle, die anschließend je nach Größe noch gemahlen werden können.

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vlnr: Bio Kokosblütenzucker und weißer Haushaltszucker, Foto: K. Kallweit, foodnav.de

Karies / raw food / E221

Zahnfreundlich ist Kokosblütenzucker nicht. Er fördert in zu hohem Maße genossen ebenfalls die Entstehung von Karies. Kalorientechnisch liegt er nur unwesentlich unter den Brennwerten von normalem Haushaltszucker. Roh oder raw ist Kokosblütenzucker in der Regel nicht, da er meist eingekocht wird. Wird er nur getrocknet und nicht eingekocht, was jedoch nur selten gemacht wird, wäre er raw. Allerdings wird zur Beschleunigung des Trocknungsvorganges auch schon mal Natriumsulfit (schwefligsaures Natrium, auch unter der E-Stoff-Nummer E 221 bekannt) hinzugefügt. Dieses verleiht dem Kokosblütenzucker nicht nur einen unangenehmen Geruch, sondern lässt ihn auch leicht grünlich schimmern. Außerdem schätzen nicht wenige Verbraucher diesen Zusatzstoff als nicht gesund ein und verzichten lieber auf diesen in ihrer Nahrung.

Niedriger Glyx-Index

Kokosblütenzucker besitzt einen sehr niedrigen glykämischen Index (je nach Quelle wird von 32 oder 35 gesprochen), der sich positiv auf den Organismus auswirkt – ganz im Gegensatz zu normalem Haushaltszucker, dessen glykämischer Index mit 59 bis 68 in etwa doppelt so hoch liegt.

Die Vorteile eines niedrigen glykämischen Index haben wir bereits in unserem Beitrag „Natürliche, bislang wenig bekannte Zucker-Sorten und ihre Vorteile“ ausführlich erläutert.

Hierzu gibt es auch Untersuchungen des Food and Nutrition Research Institute, Department of Science and Technology, Republic of the Philippines:

Conclusion:
Coconut sap sugar and syrup contained significant amounts of potassium, inulin and vitamin C. Fermentable inulin in both products produced propionate and may have a promising role in the prevention for risk of coronary heart disease. Also, inulin and fructose content may be responsible for the slow release of glucose in the body that resulted in a low glycemic index.
Recommendation:
An efficacy/effectiveness study in humans should be done to validate the results obtained from the study. Coconut sap sugar and syrup can be a better substitute for synthetic sugars.”

Wie stets kann man natürlich auch hier geteilter Meinung sein, denn es gibt keine Studie ohne Gegenstudie und wer diese Untersuchungen mit welchem Ziel wirklich beauftragt hat, bleibt meist ein Geheimnis. Auch mag der eine oder andere argumentieren, dass der Stoffwechsel von Asiaten (in diesem Falle Philippiner) anders von statten geht, als bei einem Mitteleuropäer. Und nicht zuletzt ist dies natürlich auch keine Langzeitstudie. Allerdings werden diese in der Regel fast ausschließlich von der Industrie finanziert, da sie sehr teuer sind und normalerweise auch nur, wenn man am Ergebnis ein entsprechend großes wirtschaftliches Interesse hat.

Außerdem finden sich unter anderem noch Vitamin C, Calcium, Kalium, Magnesium, Eisen, Kalium, Zink, Glucose und Fructose im Kokosblütenzucker.

Der Glucose- und Fructoseanteil sind generell recht niedrig, differieren aber jedoch je nach Herkunftsland und Palmensorten, wie bei einem Naturprodukt üblich. Als Beispiel sei hierzu der aus Indonesien stammende Java Kiss von Latao genannt, in dem lediglich 1,84 g Glucose und 1,88 g Fructose auf 100 g Kokosblütenzucker stecken. Der verschwindend geringe Anteil an Lactose liegt hier bei weniger als 0,10 g, weshalb dieses Produkt als lactosefrei bezeichnet werden darf.

Preis

Koskosblütenzucker findet sich in Reformhäusern und im Onlinehandel, wobei teilweise auch einige Supermärkte und Drogeriemärkte (wie z.B. dm) diesen inzwischen führen.
Allerdings ist reiner Kokosblütenzucker in Bio-Qualität sehr teuer. Derzeit kostet ein 1 kg Bio-Kokosblütenzucker im Durchschnitt etwa 20,- Euro, wobei es größere Mengen auch schon mal für 17,- Euro gibt, allerdings auch solche, die dann schon mit über 30,- Euro zu Buche schlagen. Bei besonders günstigen Angeboten ist daher die Kontrolle der Zutatenliste ein Muss, da der Kokosblütenzucker hier oftmals mit Palmzucker, Rohrohrzucker oder Maltodextrin gestreckt wird oder er ist mit Natriumsulfit belastet.

Kokosblütensirup / Kokossirup / Kokosblütennektar

Kokosblütensirup ist flüssig und wird gerne als Alternative zu Agavendicksaft oder flüssigem Honig zum Süßen von Desserts, Pfannkuchen oder Cocktails eingesetzt. Er besteht wie der Kokosblütenzucker aus dem eingekochten Saft der Kokospalmen-Blütenknospe. Nur mit dem Unterschied, dass der Saft nicht so lange eingekocht wird, bis er kristallisiert.
Diese flüssige Variante hat einiges weniger an Kalorien und Kohlenhydraten als der Kokosblütenzucker, allerdings nur, wenn man auch wirklich die gleiche Menge verwenden würde, was in der Regel nicht der Fall ist.

Palmzucker

Palmzucker ist dem Kokoszucker ähnlich, da er ebenfalls aus dem Blütensaft von Palmen gewonnen wird.

Allerdings können hierbei die Blüten nicht nur von Kokospalmen, sondern auch von Ölpalmen und anderen Palmensorten stammen. Gerade Ölpalmen stehen jedoch wegen ihrer großflächigen Anbauweise und der damit verbundenen Regenwaldvernichtung bei vielen Verbrauchern in der Kritik. Der glykämische Index von Palmzucker liegt etwa bei 40.

Fazit:

Nachhaltig produzierter Bio-Kokosblütenzucker und Bio-Kokosblütensirup verursachen keine Regenwaldabholzung und können somit guten Gewissens als gesünderer Ersatz für Haushaltszucker verwendet werden. Wobei alleine der hohe Preis einem häufigen Einsatz entgegen sprechen dürfte. Insgesamt – ganz bewusst - deutlich weniger und dafür besser verträglichen Zucker zu verwenden, der zudem zu fairen Preisen biologisch angebaut wird, wäre ein tolles Ergebnis und zwar sowohl für den Verbraucher, als auch für die Kleinbauern. Auch wenn das Problem der langen Transportwege und der dadurch entstehenden Umweltbelastung dabei nicht außer Acht gelassen werden kann. Der im Vergleich mit Haushaltszucker deutlich höhere Mineralstoffgehalt ist zwar durchaus positiv zu sehen, allerdings stecken diese Mineralstoffe natürlich auch in anderen Nahrungsmitteln unseres täglichen Konsums. Insofern ist eher die Ausgewogenheit der persönlichen Ernährung wichtig, um ausreichend mit Mineralstoffen versorgt zu sein.

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Anhänge

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  • astra

    Super!
    Endlich mal WIRKLICH informativ und keine Anpreisung, dass man nur noch dieses einzige Produkt kaufen und verzehren sollte....
    DANKE