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Natürliche, bislang wenig bekannte Zucker-Sorten und ihre Vorteile

Zahnfreundlicher natürlicher Zucker, der zudem den Blutzuckerspiegel fast unverändert lässt – ein Wunschtraum? Nein - es gibt diese Zuckerarten!

Haushaltszucker macht dick, ist kariesfördernd und belastet den Körper durch einen schnellen Blutzuckeranstieg mit anschließendem schnellen Blutzuckerabfall. Zuviel davon zieht ein erhöhtes Körpergewicht nach sich, welches für ein höheres Risiko an Diabetes mellitus zu erkranken verantwortlich gemacht wird. Alles eigentlich keine Geheimnisse, trotzdem wird dieser Zucker bis heute in zu großen Mengen verzehrt.

Allerdings steckt der Großteil des Zuckers, den wir tagtäglich zu uns nehmen, gar nicht in Süßigkeiten. Zwei Drittel des durchschnittlichen Jahresverbrauchs werden in Form von industriell gefertigten Backwaren, Brotaufstrichen, Getränken und Milchprodukten verzehrt. Vor allem in Fertiggerichten und Limonaden stecken große Zuckermengen. Wodurch wir deutlich mehr Zucker zu uns nehmen, als dies gesund ist. Jetzt könnte man sich fragen, ob es unbedingt notwendig ist, dass soviel Zucker in unseren Lebensmittel steckt. Der Grund dafür ist recht simpel. Zucker ist nicht nur ein Geschmacksträger, sondern zudem ein sehr günstiger Rohstoff, mit dem sich beispielsweise nicht ganz so reife Früchte geschmacklich verbessern lassen und zudem macht er die Produkte haltbarer und verbessert deren Konsistenz.

Siehe hierzu beispielsweise auch den Beitrag: Das Erste.de [w] wie Wissen / Wissenschaftsbetrug: Wie die Zuckerlobby die Welt täuschte
„Schon Ende der 1950er Jahre kamen Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Zucker, so wie er in der westlichen Welt konsumiert wird, ist ein Gift und Hauptverantwortlicher für Herz-Kreislauferkrankungen ist.“

Die verschiedenen Zucker

Haushaltszucker (Kristallzucker, Saccharose)

Haushaltszucker ist wohl der bekannteste aller Zucker, weshalb er umgangssprachlich auch einfach als Zucker bezeichnet wird. Genau genommen handelt es sich dabei um Saccharose, einen Zweifachzucker, der wie andere Zuckerarten zu den Kohlenhydraten zählt und zu jeweils cirka 50 Prozent aus den beiden Einfachzuckern Fructose und Glucose besteht. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt in Deutschland ungefähr bei 35 Kilogramm im Jahr. Es wird zwar immer wieder betont, dass dieser in den letzten Jahren konstant geblieben ist, allerdings sollte man dazu auch mal einen längeren Zeitraum betrachten, bevor die Lebensmittelindustrie diesen billigen Geschmacksträger als guten Profitbringer entdeckt hat. So betrug die jährliche Menge pro Kopf vor 200 Jahren gerade einmal 3 Kilogramm.

Glucose (Glukose, Traubenzucker, Dextrose)

Glucose gehört zu den Einfachzuckern. Was ebenfalls oftmals unterschätzt wird ist, dass viele unserer Nahrungsmittel von Natur aus Glukose – also Traubenzucker – enthalten, auch wenn dieser darin nicht pur, sondern als Baustein der Stärke in kohlenhydratreichen Lebensmitteln vorkommt. Im Körper wird Traubenzucker aufgespalten und gelangt als besonders schneller Energielieferant bekanntlich am schnellsten ins Blut, womit er leider aber auch den Blutzuckerspiegel am schnellsten in die Höhe katapultiert.

So sind Brot, Brötchen, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Nudeln häufig unterschätzte Zuckerlieferanten in unserer täglichen Ernährung.
Was bei gelegentlicher Unterzuckerung ein positiver und beabsichtigter Effekt von Traubenzucker ist, verkehrt sich bei zu hohem täglichen Konsum leider rasch ins Gegenteil. Denn am gesündesten wäre es, wenn wir stets einen recht stabilen Blutzuckerspiegel auf niedrigem Niveau hätten, da  extrem schnelle Anstiege und entsprechend schnelle anschließende Abfälle des Blutzuckerspiegels den Körper ungemein belasten.

Fructose (Fruktose, Fruchtzucker)

Fructose ist ebenfalls ein so genannter Einfachzucker. Im Gegensatz zum normalen Haushaltszucker hat Fructose einen niedrigeren glykämischen Index, was bedeutet dass der Blutzucker langsamer ansteigt. Ein positiver Effekt also. Allerdings haben größere Mengen dieses Zuckers auch negative gesundheitliche Auswirkungen. So kann dies zu einer Hemmung des Fettabbau’s führen (Stichwort: Fettleber) und auch von stark vermehrter Harnsäure-Bildung in der Leber ist die Rede. Diese kann zu Gicht und Nierensteinen, aber auch zu einer auch die Sensibilität der Zellen gegenüber Insulin führen. Eine ausgeprägte Insulinresistenz ist jedoch bereits das Hauptsymptom eines Diabetes Typ 2. Zudem fördern bereits kleine Mengen die Entstehung von Karies. Auch kann zuviel Fructose zu Magen-Darmbeschwerden, wie Bauchweh, Blähungen oder Durchfall führen – auch als Fructose-Malabsorption bekannt.

Fructose kommt natürlicherweise ebenfalls bereits in unserer Nahrung vor, wird also auch automatisch konsumiert, da diese in Früchten und Gemüse vorkommt. Trockenfrüchte und Honig besitzen einen besonders hohen Fructoseanteil. Industriell verarbeitete Produkte, wie Agavendicksaft und Sirup, Fertiggerichte, Getränke, Süßwaren, Eiscreme, Fertigkuchen, Ketchup und Dressings enthalten jedoch oftmals industriell hergestellten Fruchtzucker bzw. Fruchtzuckersirup (Fructose-Sirup) oder auch hochkonzentriertes Glucose-Fructose-Sirup, das die meisten als deutlich ungesünder einstufen als natürliche Fructose.
Und obwohl Fructose im Gegensatz zu Glucose insulinunabhängig verstoffwechselt wird, wird sie inzwischen nicht mehr als gute Alternative für Diabetiker betrachtet, da sie – wie oben bereits erwähnt – zu einer Insulin-Sensitivität der Zellen führen kann.

Alle diese Zucker werden von den Bakterien im Mundraum zu organischen Säuren vergärt, welche die Zähne schädigen und so zu Karies führen. Wobei Haushaltszucker (Saccharose) die höchste Kariogenität besitzt. Traubenzucker (Glucose) und Fruchtzucker (Fructose) und der Milchzucker (Lactose) lassen jedoch ebenfalls Karies entstehen.

Natürliche Zucker: zahnfreundlich und blutzuckerfreundlich!

Warum hört man davon bislang so wenig? Diese Frage ist relativ einfach zu beantworten. Die Herstellung dieser Zucker ist deutlich teurer als dies bei gewöhnlicher Saccharose der Fall ist. Um dies zu ändern und beispielsweise auch die in Ansätzen bislang bekannten, positiven gesundheitlichen Eigenschaften näher zu erforschen, benötigt man Geld und zwar viel Geld. Solche Forschungen ziehen sich über Jahrzehnte hin und werden von der Industrie nur dann finanziert, wenn sich das Ergebnis später z.B. als Medikament wieder refinanzieren lässt. Zucker ist jedoch ein Nahrungsmittel und kein Medikament und die Nahrungsmittelindustrie selbst dürfte ohne großen Druck der Verbraucher kaum bereit sein, den einfach und günstig herzustellenden Haushaltszucker oder auch die Fructose- und Glukosesirups in den Fertigprodukten und Getränken gegen einen deutlich teurer herzustellenden Zucker auszutauschen. So wurde denn beispielsweise Tagatose auch nur deshalb näher erforscht, weil man daraus eigentlich ein Krebsmedikament entwickeln wollte.

Tagatose

Tagatose wurde ursprünglich von einer amerikanischen Pharmagruppe zur Behandlung von Darmkrebspatienten entwickelt, da es die Darmflora regenerieren kann.

Reine Tagatose wird im Handel nur selten angeboten, da sie beim Backen sehr schnell braun wird. Eigentlich schade, denn sie hat auch keinen unangenehmen Beigeschmack. Bei einer Fruktosemalabsorption kann Tagatose eine Alternative sein, das hängt jedoch von der individuellen Ausprägung der Unverträglichkeit ab und sollte - wie immer - vorsichtig getestet werden. Bei der angeborenen und sehr seltenen hereditären Fruktoseintoleranz wird von einer Verwendung von Tagatose-Mischungen eher abgeraten.

Tagatose ist ein Einfachzucker auf natürlicher Basis. Es kommt natürlicherweise in geringen Mengen in einigen Milchprodukten und Obstsorten vor. Wird aber industriell normalerweise aus Lactose gewonnen. Durch Hydrolyse wird die Lactose in Galactose und Glukose aufgespalten. Aus der Galactose wird durch einen enzymatischen Prozess dann die Tagatose. Nach dem Reinigungsprozess entsteht ein weißer Kristallzucker mit einem natürlichen Zuckergeschmack – die Tagatose. Die fertigen, reinen Tagatose-Kristalle enthalten keine Spuren von Laktose und Glukose.

Tagatose ist kalorienarm, verursacht keine Karies und hat zudem einen besonders niedrigen glykämischen Index, wodurch es – im Gegensatz zu Zucker -  auch nur einen kaum messbaren Blutzuckeranstieg verursacht. Außerdem produziert Tagatose - bei einer üblichen Verzehrmenge - keine Blähungen und hat keine abführende Wirkung, wie dies bei einigen Süßstoffen der Fall ist. Eine Einschränkung gibt es jedoch. Für Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren sollte auf Tagatose verzichtet werden, da deren Darmflora noch nicht vollständig entwickelt ist und so Durchfälle und Übelkeit nicht ausgeschlossen werden können.

Galactose (Galaktose, Schleimzucker, bzw. chemisch korrekt D-Galactose)

Galactose ist eine natürlich vorkommende chemische Verbindung aus der Gruppe der Einfachzucker und ist in gebundener Form Bestandteil der Laktose. Deshalb kommt Galactose in verschiedenen Milcharten, Molke und außerdem auch in Muttermilch sowie in geringeren Mengen auch in Obst und Gemüse vor.

Die im Handel befindliche D-Galactose wird aus einem eiweißfreien Destillat aus Molke und Milchzucker gewonnen und erhöht ebenfalls nicht den Blutzuckerspiegel. Außerdem ist auch hier der glykämischer Index besonders niedrig. Die Galactose wirkt bei lebenswichtigen Informations- und Kontrollprozessen des Körpers mit und ist ein wesentlicher Baustoff der Wände aller Körperzellen. Die folgenden Links bieten eine Übersicht darüber, bei welchen Krankheiten Galactose hilfreich sein kann. In zu hoher, unüblicher Dosierung kann sie abführend wirken. Nicht verwenden sollte man sie, wenn bereits in den ersten Lebenstagen ein schwerer genetischer Defekt, die Galaktosämie, diagnostiziert wurde. Wer unter einer Milchunverträglichkeit (Milchzuckerunverträglichkeit, Laktoseintoleranz) leidet, verträgt D-Galactose hingegen normalerweise gut.

http://dgalactose.koerper-entgiften.info/

http://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/tsp/2016/tsp-februar-2016/forschung/bittere-diagnose-suesse-therapie/index.html

Isomaltulose

Isomaltulose ist ein Naturstoff, der industriell enzymatisch aus Rübenzucker gewonnen wird. Isomaltulose kommt aber auch in Honig und Zuckerrohr vor. Diese natürliche Süße kommt der des normalen Haushaltszuckers geschmacklich sehr nahe, hat aber verschiedene Vorteile. Zum einen verursacht Isomaltulose keine Karies und der glykämischer Index ist deutlich niedriger als bei Haushaltszucker. Dadurch bleibt der Blutzuckerspiegel stabiler und die Energie aus den Kohlenhydraten ist länger verfügbar. Weshalb positive Auswirkungen auf die muskuläre Leistungsfähigkeit in Bezug auf Ausdauer und Schnelligkeit, als auch auf die geistige Leistungsfähigkeit durchaus naheliegen.

Trehalose (Pilzzucker, Mykose)

Trehalose ist ein Zweifachzucker, der aus Glucose (Traubenzucker) besteht, aber trotzdem eine geringe Auswirkung auf den Blutzucker- und Insulinspiegel hat. Trehalose wird aus Pflanzenstärke hergestellt und besitzt etwas weniger als die halbe Süßkraft von normalem Haushaltszucker. Trehalose kommt natürlicherweise in verschiedenen Pflanzen (z.B. Algen, Moose, Pilzen, Hefen und Bakterien) vor. Insbesondere bei Insekten ist Trehalose der Hauptreservezucker. Trehalose wird eine Schutzfunktion auf Eiweiß, Fette und Zellen zugeschrieben, wobei seine Spaltung erst im Dünndarm erfolgt. Trehalose hat einen geringeren Insulineffekt, keine abführende Wirkung und ist zudem zahnfreundlich. Für alle diejenigen, die unter einer Fruktose- und Laktose-Unverträglichkeit leiden, ist Trehalose eine gute Alternative. Da dieser Zucker nicht karamellisiert, kann er auch beispielsweise auch gut zum Backen und Frittieren benutzt werden.

Ribose (Pentose, chemisch korrekt D-Ribose)

Ribose ist ein Zucker mit fünf Kohlenstoff-Atomen. Ribose schmeckt leicht süß und löst sich sowohl in heißen, wie auch in kalten Getränken gut auf.  Ribose lässt den Blutzucker nicht ansteigen. Der menschliche Körper synthetisiert Ribose in Muskelzellen auch selbst aus Glucose (Einfachzucker mit 6 Kohlenstoff-Atomen) durch den so genannten Pentosephosphat–Zyklus. Allerdings nur sehr langsam. Dieser Prozess wird noch weiter verzögert, wenn die Energiespeicher z.B. durch Training, harte körperliche Arbeit, Stress oder Krankheit aufgebraucht sind. Weshalb Ribose Sportlern helfen soll, die Regerationsphasen zu verkürzen und die Leistungsfähigkeit zu steigern.
Bei einer Überdosierung (von 10 Gramm oder mehr pro Einnahme) kann eine vorübergehende Hypoglykämie (Unterzuckerung) auftreten. Es wird aber teilweise auch von weichem Stuhl als Nebenwirkung berichtet - allerdings nur bei sehr hohen Einzeldosen von über 10 Gramm.

Fazit:

Zucker ist per se weder schlecht, noch böse. Lediglich die insgesamt davon aufgenommene Menge des Zuckers und vielleicht ja auch die Art des industriell produzierten Zuckers, der für die starken Blutzuckerspiegelschwankungen sorgt, sind das Problem.

Was kann man also tun, um seinen persönlichen Zuckerkonsum zu verringern und gesünder zu leben. Das ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach. Generell sollten wir wohl intensiver auf den Kohlenhydrat- und damit auf den Zuckeranteil in unserer Nahrung achten. Weshalb auch die lange blockierte und durchaus sehr umstrittene Ampelkennzeichnung auf unseren Nahrungsmitteln für etliche Verbraucher als ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung angesehen werden könnte, denn sie informiert neben dem Fett- und Salz-, auch deutlich sichtbar über den Zuckergehalt.
Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann bei selbst zubereiteten Speisen den üblichen Haushaltszucker gegen andere, natürliche und besser verträgliche Zucker austauschen.

Zuckerkonsum senken

Flüssigkeitsbedarf

Aber es gibt auch ein paar einfache Maßnahmen, die schon viel ausmachen können:
So sind Tee und Mineralwasser die deutlich besseren Getränke, um seinen Flüssigkeitsbedarf zu decken, wie Limonaden. Schorlen sind zwar geschmacklich intensiver und enthalten nicht soviel Zucker, aber auch reiner Apfelsaft enthält beispielsweise sehr viel Fructose. Weshalb auch frisch gepresste Obstsäfte nur eher selten genossen werden sollten und selbst in verdünnter Form nicht zur Reduktion des persönlichen Zuckerkonsums geeignet sind. Die Empfehlungen wie viel Gramm Kohlenhydrate verträglich sind, sind teilweise recht unterschiedlich und hängen u.a. auch davon ab, wie viel Muskelmasse und Bewegung der Einzelne hat.
Als Anhaltspunkte einmal zwei verschiedene Ansätze:
Bei Frauen entspricht das in etwa 230g, bei Männern ca. 300g an Kohlenhydraten pro Tag.
Oder aber diesen hier: 100g bis 150g Kohlenhydrate pro Tag: Gewicht halten und gesund bleiben.

Zum Vergleich: eine 0,75 l-Flasche Hella Garten-Klassiker Rhabarber Schorle, die nur 10 % Rhabarbersaft enthält und eher etwas säuerlich und nicht einmal besonders süß schmeckt, enthält 7,1 g Kohlenhydrate in Form von Zucker pro 100 ml. Das entspricht etwas mehr als 53 g Kohlenhydraten pro Flasche und damit wäre schon mehr als ein Drittel der empfohlenen Tagesmenge an Kohlenhydraten verbraucht, nur für ein Getränk. Selbst wenn den restlichen Tag nur Mineralwasser getrunken wird. Wobei dieser Hersteller auf seinen Schorlen selbst darauf hinweist, dass ausreichend Mineralwasser zur Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs getrunken werden sollte, und Süßgetränke nur als Abwechslung zwischendurch getrunken werden sollten.

Schorlen little
Foto: K. Kallweit, foodnav.de

Der bei Kindern (und Erwachsenen) sehr beliebte Kakao lässt sich ebenfalls mit nur einem minimal höheren Aufwand deutlich gesünder gestalten. Indem man für die Zubereitung statt eines Fertigproduktes auf reines Kakaopulver zurückgreift und dieses beispielsweise mit einem der oben vorgestellten natürlichen Zucker, wie z.B. Tagatose, selbst süßt. Dafür braucht man normalerweise nur etwas mehr als die Hälfte der Haushaltszuckermenge, da Tagatose eine hohe Süßkraft besitzt.

Mahlzeiten

Aus zeitlichen Gründen sicherlich nicht so gut machbar - in der heutigen Zeit - ist der Verzicht auf Fertigprodukte. Allerdings ließe sich auch hier sicherlich zumindest hin und wieder das Selberkochen mit frischen, naturbelassenen Nahrungsmitteln durchaus öfter als bisher in den wöchentlichen Speiseplan integrieren. Wichtig dabei ist, dass stark kohlenhydrathaltige Lebensmittel dabei einen möglichst geringen Anteil bilden sollten. Deshalb lieber mehr Gemüse anstatt der üblichen Sättigungsbeilagen, wie Kartoffeln, Knödel oder Nudeln essen.

Mischkostler ersetzen deshalb Kohlenhydrate gerne zum Teil durch einen höheren Eiweißanteil in ihrer Nahrung, der sich mit Fleisch und Fisch kohlenhydratfrei gut decken lässt. Auch Milchprodukte und einige Meeresfrüchte, wie z.B. Garnelen, Shrimps, Krabben und Hummer, enthalten nur sehr wenig Kohlenhydrate. Für Vegetarier und Veganer ist dies allerdings schwieriger, da alle Pflanzen Kohlenhydrate enthalten, wenn auch in sehr unterschiedlichen Mengen. Gerade Getreide und Gemüse mit hohem pflanzlichen Eiweißanteil enthält jedoch häufiger auch einen hohen Kohlenhydratanteil.

Sojabohnen bringen mit cirka 30 Gramm Kohlenhydraten schon wieder relativ viele Kohlenhydrate mit.
Grüne Bohnen sogar etwa 63 Gramm Kohlenhydrate, Quinoa etwa 62 Gramm, Amarant 65 Gramm, Buchweizen etwa 72 Gramm pro 100 Gramm. Kidneybohnen liefern ungefähr 60 Gramm Kohlenhydrate.
Reis bringt immerhin etwa 28 Gramm Kohlenhydrate, Hafer hingegen etwa 66 Gramm und Mais sogar satte 74 Gramm Kohlenhydrate mit.

Kohl hingegen ist generell recht kohlenhydratarm. Hier geht’s zu unserem Rezept: Blumenkohl-Reisersatz.

Besser sieht es bei den Nüssen aus – mit Ausnahme von Cashew-Nüssen, diese enthalten ungefähr 30 Gramm Kohlenhydrate.
Walnüsse und Haselnüsse liegen bei etwa 10 Gramm, Erdnüsse bei cirka 8,5 Gramm, Mandeln bringen etwa 5 Gramm, Macadamia und Paranüsse nur etwa 4 Gramm Kohlenhydrate pro 100 Gramm mit.

natuerliche Zucker Nuesse little
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Anstatt des morgendlichen Brötchens vielleicht lieber einen ungesüßten Quark mit einigen frischen Früchten oder mit den vorgenannten Zuckern selbst süßen. Denn auch Brot und Brötchen zählen zu den stark kohlenhydrat- und damit im Endeffekt zuckerreichen Nahrungsmitteln.
Und natürlich funktioniert auch ein schnell angemachter Salat mit einem Essig-Öl-Dressing und Salz und Pfeffer gut als Abendmahlzeit. Der darf dann auch gerne mit Tunfisch, gekochtem Schinken, Käse oder Ei in eine reichhaltigere Mahlzeit verwandelt werden, wenn man sich nicht vegetarisch ernähren möchte. Nur bitte auch hier – nach Möglichkeit – das Brot dazu weglassen.

Süße Backwaren

Da die meisten von uns auf Süßes sicherlich nur sehr ungern verzichten, wäre es natürlich auch beim Backen möglich, den normalen Haushaltszucker durch die anderen vorgestellten Zucker zu ersetzen. Wer sowieso gerne selbst Kleingebäck, Kuchen, Torten oder Nachspeisen herstellt, den schreckt der Mehraufwand an Arbeitszeit dabei auch nicht. Tagatose eignet sich dafür allerdings nicht besonders gut, da sie sehr schnell bräunt. Wobei bei Kuchen beispielsweise auch ein Abdecken der Backform mit Alufolie hilft, eine allzu starke Oberflächenbräunung zu verhindern. Trehalose hingegen karamellisiert nicht und kann folglich hierfür problemloser eingesetzt werden.

Bleibt der Preis dieser alternativen Zucker, der bislang leider ein nicht unerheblicher Nachteil ist. Allerdings würde eine vermehrte verbraucherseitige Nachfrage sicherlich für ein künftig besseres Preis-/Leistungsverhältnis und hoffentlich auch zu einem Umdenken bei der Nahrungsmittelindustrie führen. Zu bekommen sind diese Zucker in Apotheken oder auch im Onlinehandel – teilweise auch direkt vom Hersteller.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht

Wer auch im Urlaub auf seinen Zuckerkonsum achten und diesen nicht unnötig belasten will, der kann dies beispielsweise neuerdings im Tirler Dolomites Living Hotel, Seiser Alm, in Südtirol tun. Dieses als besonders allergikerfreundlich ausgezeichnete Hotel bietet jetzt in seinem öffentlich zugänglichen Restaurant ein neues Konzept an, das sich "Positive Eating" nennt. Gemeint ist damit genussvolles Essen ohne Verzicht und Verbote, speziell für Allergiker. Dazu zählt neben Biozutaten aus regionaler Produktion auch eine große Speisekarte mit Allergikerhinweisen, geschultes Personal, die Möglichkeit sich seine Speisen ganz individuell zusammenzustellen oder vom Küchenteam exakt nach den eigenen Bedürfnissen zusammenstellen zu lassen. Außerdem kommen in diesem Hotel – je nach Gericht – ganz bewusst auch vier der vorgenannten natürlichen Zuckersorten zum Einsatz.

Verwandte Beiträge:

Nicht zahnfreundlich, aber ebenfalls ein sehr natürlicher Zucker, der ebenfalls einen sehr niedrigen glykämischen Index hat, ist der Kokosblütenzucker, ebenso wie Kokosblütensirup. Auch hier besteht wieder ein Unterschied zum verwandten Palmzucker. Kokosblütenzucker - nur teuer oder auch gesünder?

Ähnlich wie bei Zucker besteht auch bei Palmöl-Produkten das Problem des Übermaßes und auch die Verträglichkeit von Palmöl und Kokosfett leiden stark, wenn man auf industriell gefertigte Produkte anstatt naturbelassener Bioprodukte zurückgreift. Siehe hierzu unseren Artikel "Unterschiede zwischen Palmöl / Palmkernöl / Kokosöl / Kokosfett".

Wissenswertes zu Fructose, Erythrit (E 968), Isomalt (E 953), Lactit oder Lactitol (E 966), Maltit, Maltitol oder Maltitsirup (E 965), Mannit oder Mannitol (E 421), Sorbit oder Sorbitol (E 420), Xylit oder Xylitol (E 967) findet sich in unserem Beitrag: Zuckeraustauschstoffe.

Forscher der Universität Basel arbeiten an einem synthetischen Zucker, der vorrangig zur Behandlung der Anti-MAG Neuropathie entwickelt wird. Die neue Behandlungsmethode mit massgeschneiderten synthetischen Glykopolymeren zielt darauf ab, dass diese wie ein Schwamm auf die schädlichen Autoantikörper wirken. Das Glykopolymer imitiert den Abschnitt auf dem MAG-Protein, an den die Anti-MAG Antikörper binden.
In vitro konnte bereits nachweisen werden, dass das Glykopolymer die krankheitsverursachenden Antikörper in Patientenseren neutralisieren. Darüber hinaus wurden die Anti-MAG Antikörper in immunisierten Mäusen effizient entfernt.
Dieser neue Behandlungsansatz bietet ggfs. auch für die Behandlung anderer Antikörper-vermittelter Autoimmunerkrankungen vielversprechende Aussichten.
Die Anti-MAG Neuropathie ist eine seltene Autoimmunerkrankung des peripheren Nervensystems, bei der ein Sensibilitätsverlust in Armen und Beinen sowie neuropathische Schmerzen auftreten, die zu einem Verlust der Koordination bis hin zur Gehbehinderung führen.
Originalbeitrag: Selective in vivo removal of pathogenic anti-MAG autoantibodies, an antigen-specific treatment option for anti-MAG neuropathy
PNAS (2017), doi: 10.1073/pnas.1619386114
(Ruben Herrendorff, Pascal Hänggi, Hélène Pfister, Fan Yang, Delphine Demeestere, Fabienne Hunziker, Samuel Frey, Nicole Schaeren-Wiemers, Andreas J. Steck and Beat Ernst)

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