Quelle: 123rf.com/davepot

Laktoseintoleranz – Der Guide für Anfänger

Eine Laktoseintoleranz ist definitiv eine Plage. Wenn man aber ein paar Grundsätze beachtet, so kann man gut mit ihr leben. Andere Lebensmittelunverträglichkeiten sind da viel komplizierter. Wir haben einen kleinen Einsteiger-Guide mit Infos rund um das Leben mit und die Laktoseintoleranz an sich zusammengestellt.

Was ist Laktoseintoleranz?

Laktoseintoleranz bezeichnet zunächst einmal Beschwerden, die nach der Aufnahme von Laktose auftreten. Dazu zählen typischerweise Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen oder Krämpfe. Es kann aber auch zu zahlreichen anderen Symptomen kommen, wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Hautproblemen. Verdauungsbeschwerden treten meist 15 bis 30 Minuten nach dem Verzehr laktosehaltiger Lebensmittel auf.

Menschen mit einer Laktoseintoleranz leiden meist unter einem Enzym-Mangel. Ihnen fehlt die so genannte Laktase, die normalerweise im Dünndarm die Laktose in Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker) spaltet. Ohne Laktase oder bei Laktasemangel gelangt ungespaltene Laktose in den Dünndarm. Sie wird von den dort angesiedelten Bakterien abgebaut, die dann u.a. Gase erzeugen, was z.B. zu Blähungen und Krämpfen führen.

Ursachen von Laktoseintoleranz

Etwa 15 bis 20 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter einer Laktose-Intoleranz. Oft ist diees genetisch bedingt. In diesem Fall spricht man von einer „Primären Laktoseintoleranz“. Die Muttermilch von Säugetieren und damit auch die des Menschen enthält natürlicherweise Laktose. Babys mit einer Laktoseintoleranz kommen sehr selten vor. Bei vielen Menschen schwächt sich über die weitere Lebenszeit die Enzymaktivität der Laktase aber deutlich ab. Das ist zum Teil evolutionär bedingt. In vielen Teilen der Welt spielte Milch im Lauf der Jahrtausende eine deutlich geringere Rolle auf dem Ernährungsplan als in unseren Breitengraden. Dort ist die Laktoseintoleranz daher deutlich weiter verbreitet. In Asien, Afrika und Südamerika sind teilweise über 80 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Sekundäre Laktoseintoleranz

Ist der Laktosemangel nicht genetisch bedingt, so tritt er häufig als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen im Bereich des Dünndarms auf. So können eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), Dünndarmentzündungen und chronisch entzündliche Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn) die Darmschleimhaut schädigen und so einen Laktasemangel hervorrufen. Auch durch Behandlung mit bestimmten Medikamenten (z.B. Antibiotika) kann ein Laktasemangel entstehen. In diesen Fällen ist eine Laktoseintoleranz aber nicht selten nur vorübergehend und die Laktoseverträglichkeit verbessert sich wieder, wenn die Krankheiten behandelt bzw. die Medikamente abgesetzt werden.

Testverfahren

Besteht ein Verdacht auf eine Laktoseintoleranz sollte man zunächst einmal den Hausarzt aufsuchen.  zu einem Spezialisten, z.B. einem Gastroenterologen.
Es gibt verschiedene Testverfahren zur Feststellung einer Laktoseintoleranz. Menschen, bei denen eine Laktoseintoleranz vor 10 Jahren oder mehr diagnostiziert wurde, erinnern sich evtl. noch an einen einfachen Provokationstest, bei dem dem Patienten literweise in Wasser gelöste Laktose auf leeren Magen eingeflößt wurden. Danach wurde einfach geschaut, was passiert.

Der heute meistens verwendete Wasserstoff-Atemtest funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. Auch hier wird eine Lösung von Laktose in Wasser getrunken. Anschließend wird aber in regelmäßigen Abständen (etwa alle 15 Minuten) der Wasserstoff-Gehalt in der Atemluft gemessen. Die Darmbakterien, die Laktose in den unteren Darmteilen verstoffwechseln, wenn diese zuvor nicht durch das Enzym Laktase gespalten wurde, setzen dabei u.a. Wasserstoff frei, der dann über die Atemluft abgegeben wird. So lässt sich auch die Ausprägung einer Laktoseintoleranz anhand der gemessenen Werte bestimmen.

Alternativ kann anstatt des Wasserstoffs in der Atemluft auch der Blutzuckergehalt gemessen werden. Auch hier wird zunächst eine Laktose-Lösung getrunken, allerdings wird anschließend in regelmäßigen Abständen der Blutzucker gemessen. Steigt dieser über ein bestimmtes Maß an, so liegt KEINE Laktoseintoleranz vor, denn das Enzym Laktase spaltet die Laktose ja u.a. in Traubenzucker auf, der über die Darmwand schnell ins Blut gelangt.
Auch ein Gentest über das Blut oder einen Abstrich der Wangenschleimhaut ist möglich. Dabei wird herausgefunden, ob der Patient eine genetische Disposition (vererbte Veranlagung) zu einer Laktoseintoleranz hat. Ob diese nun tatsächlich besteht und wie stark sie ausgeprägt ist, kann bei diesem Test aber nicht herausgefunden werden.

Diät

Quelle: Timo Klostermeier  / pixelio.deFolienkartoffeln sind kein Problem, Sour Creme enthält aber Laktose! (Bild: ©Timo Klostermeier / pixelio.de),

Wenn eine Laktoseintoleranz diagnostiziert wurde, hilft am besten eine laktosefreie Diät gegen die Beschwerden. Besonders am Anfang sollten laktosehaltige Produkte eine Zeit lang strikt gemieden werden, damit sich der Dünndarm regenerieren kann. Bei einigen Patienten steigt die persönliche Toleranzschwelle nach einer gewissen Karenzzeit, in der gar keine laktosehaltigen Produkte verzehrt werden, auch wieder etwas an.
Einen Hinweis auf die Ausprägung der Laktoseintoleranz geben die Ergebnisse des Atem- oder Bluttests. Einige Betroffene vertragen kleine Mengen noch ganz gut, bei anderen führen diese bereits zu Beschwerden.
Heutzutage muss man als von einer Laktoseintoleranz Betroffener auf fast nichts mehr verzichten. In den letzten Jahren hat die Lebensmittelindustrie auf das steigende Interesse an laktosefreien Produkten reagiert.

Die Produkte des Pioniers auf diesem Gebiet namens Minus-L findet man heute in jedem Supermarkt. Fast alle gängigen Milchprodukte sind dort auch in einer laktosefreien Version zu bekommen, das gilt selbst für Fertiggerichte und Eis. Die ausdrücklich für Laktoseintolerante produzierten Nahrungsmittel sind jedoch stets etwas teurer als diejenigen für Otto-Normal-Verbraucher. Milch, Sahne und Co. schmecken zudem etwas süßer als laktosehaltige Produkte. Das liegt daran, dass bei laktosefreien Produkten das Enzym Laktase, das den Betroffenen fehlt, den Produkten bereits bei der Produktion zugesetzt wird und so die Laktose schon in Glukose und Galaktose gespalten ist. Ansonsten haben sie aber dieselben Back- und Kocheigenschaften. Mittlerweile bekommt man zumindest laktosefreie H-Milch auch beim Discounter zu einem recht günstigen Preis.

Es lohnt sich aber die Verpackungen auch normaler Produkte genau zu lesen. Denn viele Produkte auch „normaler“ Hersteller sind von Haus aus laktosefrei. Dies ist oft auf der Rückseite bei der Zutatenliste deklariert. Ansonsten hilft ein Blick in unsere Datenbank um weitere laktosefreie Produkte aufzuspüren.

Aufpassen sollte man in jedem Fall, denn auch bei Produkten, in denen man sie nicht vermuten würde, ist oft Laktose zugesetzt, so z.B. in Wurst oder mariniertem Fleisch. Hier haben aber viele Hersteller mittlerweile reagiert und die Laktose in ihren Rezepten durch normalen Zucker oder Dextrose ersetzt. Beim Lesen der Zutatenliste muss man genau hinschauen, es dürfen weder Milch noch Milchprodukte enthalten sein. Ausnahmen von dieser Regel sind langgereifte Käsesorten, die oft von Natur aus laktosefrei sind. Auch die Worte „Milchzucker“ und natürlich „Laktose“ dürfen auf der Zutatenliste nicht auftauchen.

Bei Käse ist es hingegen unterschiedlich. Viele Käsesorten sind durch Reifung von Natur aus laktosefrei, dabei handelt es sich meist um lange gereifte, härtere Gattungen. Im Kühlregal ist auf den Verpackungen oft deklariert, dass der Laktosegehalt unter 0,1 g pro 100 g liegt. In diesem Fall darf ein Produkt als laktosefrei deklariert werden. Mit diesen verschwindend geringen Mengen an Laktose hat normalerweise kein Laktoseintoleranter ein Problem. Frisch- und Weichkäse gibt es mittlerweile in besonderen laktosefreien Varianten. An der Käsetheke im Supermarkt sind die Verkäuferinnen oft gut darüber informiert, welcher Käse laktosefrei ist und welcher nicht und können bestimmte Sorten empfehlen.

Essen im Restaurant

Beim Essengehen im Restaurant ist das Ganze etwas schwieriger. Nicht immer sind die Kellner ausreichend gut geschult, was in den Gerichten enthalten ist und geben daher manchmal auch fehlerhafte Auskünfte. Letztendlich besteht für die Restaurants aber eine Informationspflicht. Größere Ketten sind hier oft besser aufgestellt als kleine Einzelgastronomen und teilweise kann man sich hier schon vorab im Internet informieren.
Meistens laktosefrei sind Gerichte wie Steak mit Pommes oder die meisten Arten von Sushi. Manchmal lauern aber auch im Detail Gefahren dort wo man sie nicht vermuten würde, beispielsweise in Gewürzmischungen. Die Konzentration ist hier aber meist gering.

Einige Restaurants und Gastronomiebetriebe haben auf die zunehmende Anzahl von Menschen mit Laktoseintoleranz reagiert und bieten an, ihre Gerichte auch mit laktosefreien Milchprodukten zu kochen - teilweise gegen Aufpreis. Einige Eisdielen bieten zudem auch laktosefreie Eissorten an. Fruchteis ist oft von Haus aus laktosefrei, hier lohnt es sich einfach mal nachzufragen.
Mit Lactase auf Nummer sicher gehen

Wer beim Essen auswärts auf Nummer sicher gehen will, für den gibt es in der Apotheke oder im Drogerie-Markt das laktoseintoleranten Menschen fehlende Enzym Lactase als Tablette oder Dragee zu kaufen. Das wird dann zum oder vor dem Essen eingenommen und ermöglicht es, gewisse Mengen Laktose relativ gefahrfrei zu essen. Allerdings muss man hier mit der Dosierung etwas üben. Zu viel Lactase führt bei einigen Menschen zu Unwohlsein, zu wenig lindert die Symptome nur ungenügend. Eine Dauerlösung sind Lactase-Präparate daher nicht, den Restaurantbesuch vereinfachen sie aber ungemein.

Kommentar verfassen

Anhänge

0
  • Keine Kommentare gefunden

Verwandte Beiträge

Limonen-Biscuit-Rolle

Im Sommer muss es nicht immer allzu süß zugehen, man kann auch gut mal etwas Leckeres, Erfrischendes backen. Zum Beispiel eine Biscuit-Rolle, die man normalerweise mit Zitronen machen würde.

Weiterlesen...

Stolperfallen beim Brötchenkauf

Wer Fructose nicht verträgt, muss stets auf der Hut sein, denn selten steht auf den Produkten eindeutig drauf, dass Fructose enthalten ist. Oft versteckt sie sich in E-Stoffen oder anderen Lebensmittelzusätzen. Besonders beim Bäcker hat man da oft ein Problem.

Weiterlesen...

Leckereien zu Ostern

Zu Feiertagen bieten nicht nur die üblichen Süßigkeiten-Produzenten Schokalade und Co. in passender Form an, auch die Spezial-Hersteller haben zu Ostern und Weihnachten passende Produkte für Personen mit Nahrungsmittelintoleranzen im Programm.

Weiterlesen...

Dinkel-Waffeln

Schnell gemachte, warme, weizenfreie Leckerei – nicht nur für Kinder!
Mit Honig, frischen Beeren, heißen Kirschen, Eis, roter Grütze oder Sahne auch ein edler Nachtisch und eine Bereicherung für die Kaffeetafel.

Weiterlesen...